BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Ich überprüfe gerade meinen Tricorder, als die Tür zum Turbolift aufrauscht. Es ist der Captain.
    "Err...äh... Leisch, wir haben heute nachmittag hohen Besuch vom Wissenschaftsministerium. Ein Herr... äh... Butterhaupt und seine Kollegen. Herr Butterhaupt ist direkter Referent des... err...
    Ministers... ähm..."
Aha, Admiral Schmalzkopf und sein Stab möchten unsere neuesten Einrichtungen auf dem Maschinendeck inspizieren.
    "Vielleicht können wir was vorführen?" schlägt der Captain hoffnungsvoll vor.
    "Aye, Captain", sage ich gelassen.
Der Captain läßt seinen Blick über die Hauptkonsole des Warpkernelmodulators gleiten.
    "Was machen Sie da gerade, Leisch?"
    "Ich versuche, den isotonischen Tricorder so zu erweitern, daß er bei einem Kanalwechsel automatisch den BSE Faktor erfaßt", erkläre ich.
    "BSE?" grübelt der Captain, "ist das diese Rinderseuche?"
    "Nein, Captain. BSE bedeutet 'Besonders Schlechte Einschaltquote'.
    Auf diese Weise vermeiden wir, daß unsere Leute auf den Außeneinsätzen aus Versehen in den miesen Kanälen hängenbleiben und dann von hinten überrascht werden."
    Der Captain nickt verwirrt, aber anerkennend.
    "Ah... äh... gut, gut, Leisch. Wir sehen uns dann am Nachmittag, nicht?"
Sternzeit 42345,6.
    "Aye, Captain."
Keine 3 Sekunden später meldet sich der Computer:
    "Notfall auf dem Mannschaftsdeck 5. Totalausfall der Kommunikation und Steuerungskontrollen."
Ich aktiviere meinen Kommunikator und rufe:
    "Maschinenraum an Mannschaftsdeck 5. Was ist passiert?"
    "Äh, es sieht so aus, als ob die Hausmeister mal wieder einen Netzknoten geliefert haben", meldet sich die resignierte Stimme einer Wissenschaftsoffizierin. "Können Sie kurz mal vorbeikommen?"
Diese Klingonen! Riesenköpfe und kein Gramm Hirn darin!
Wahrscheinlich haben sie wieder mal gerauft.
    "Ich bin unterwegs", rufe ich und schnappe mir den Reparaturkit.
Im Mannschaftsdeck 5 erwartet mich bereits die Wissenschaftsoffizierin, mit der ich gesprochen habe. Sie kniet vor dem betroffenen Netzknoten und betrachtet besorgt die Trümmer.
Hinter ihr stehen die beiden Klingonen, beide in blauen Hausmeisterkitteln, und machen trotzig finstere Gesichter.
    "Na, meine Herren? Was haben wir denn heute wieder verbrochen?"
    sage ich lächelnd.
Zu Klingonen spreche ich nur noch lächelnd, seitdem ich einmal ... aber das ist eine andere Geschichte.
    "Äh...", sagt der eine.
Der andere knurrt nur drohend etwas in seinen Bart.
Mit einem Blick sehe ich, daß sie nur die Netzverteilerdose eingedrückt haben, und repariere den Schaden mit meinem Zauberstab.
    "Alles in Ordnung", sage ich zur Wissenschaftsoffizierin, die mir besorgt über die Schulter geguckt hat, und sie eilt frohlockend zurück an ihren Arbeitsplatz.
Die Klingonen stehen noch etwas betreten herum, dann verziehen sie sich wieder in ihren Glaskasten.

Ich bin wieder im Maschinenraum und teste gerade den reparierten Knoten, als plötzlich der Subraum-Ethawellen-Kommunikator aktiv wird. Eine Subraum-Anomalie im Warpkernel! Systemparameter werden kritisch! Waffensysteme ausgefallen!
Die Warnungen rauschen schneller durch, als ich sie lesen kann. Ich löse roten Alarm aus.
Warpkernel auf 30 % heruntergefahren! Gefahr des Warpkernelbruchs!
Subraum-Neutrino-Aktivität überschreitet kritischen Bereich!
Die Brücke meldet sich:

    "Äh... Herr Leisch? Haben wir ein Maschinenproblem? Ich kann meinen Cursor nicht mehr bewegen..."
    "Wir arbeiten dran", schnappe ich und schalte den Interkom aus.
    Lebenserhaltungssysteme nur noch auf Notenergie! Kaffeemaschine nur noch auf halber Kraft!
Es hilft nichts. Immer mehr Kontrollen sind einfach nicht mehr ansprechbar. Ich leite einen totalen Shutdown des Warpkernels ein. Die Warnungen flimmern über die Anzeigen im ganzen Schiff. Zum Glück schaffe ich es. Es wird still im Maschinenraum.

Ein Wissenschaftsoffizier und ein Fähnrich tauchen in der Tür zum Turbolift auf.

    "Ist Ihre Maschine auch abgestürzt?" fragte der Wissenschaftsoffizier.
Ich nicke nur und leite die Warpspulen-Initialzündung ein. Keine Zeit für Diskussionen. Langsam kommt die Energie wieder hoch. Der Warpkernel wird wieder stabil. Neutrino-Aktivität flacht ab.
Erleichtert atme ich auf. Wieder einmal wurde das Schiff durch meinen selbstlosen Einsatz vor der totalen Vernichtung bewahrt.
Ich schalte den Interkom wieder ein.
    "Äh... hallo?" quäkt die einsame Stimme des Captains aus dem Lautsprecher. "Kann mich jemand hören? Leisch... sind Sie da?"
    "Alles in Ordnung, Captain. In ein paar Sekunden haben Sie wieder die volle Kontrolle", sage ich.
    "Ah? Ah... ja. Sie haben recht, Leisch. Der Cursor läßt sich wieder bewegen. Danke..."
Während ich noch auf die Schadensmeldungen warte, kommt schon wieder ein Notruf über Subraum-Etha.
Ich lausche konzentriert der aufgeregten Stimme.
Aha, auf dem Computerdeck hat ein flagelanischer Putzdrache mit seinem glühenden Schweif eine Energieleitung durchtrennt. Jetzt ist die Leistung des Bordcomputers in diesem Bereich nur noch auf 20 %.
Nicht genug um manövrierfähig zu bleiben. Ich sprinte los.

Der flagelanische Putzdrache ist noch am Tatort. Wie immer ist er unverletzt. Flagelanische Putzdrachen haben einen mehrfach abgesicherten Schutzengel-Reflex, der sie vor jeglichem Schaden bewahrt. Leider bewahrt er sie nicht davor, mit ihren diversen glühenden Schweifen, saugenden Schaufeln und bepelztem Mops ihre Umgebung zu verwüsten. Vor gar nicht langer Zeit hat ein flagelanischer Putzdrache einen halben Eimer mit dreckigem Putzwasser in einen Energieverteiler gekippt. Es gab eine Explosion und der Raum wurde durch herumspritzendes Plasma vollständig zerstört. Der Putzdrache blieb unverletzt.
Diesem Putzdrachen ist die Sache überaus peinlich; er streicht verlegen mit einem Mop über die dunklen Computerkonsolen der Umgebung.
Zum Glück ist es kein glühender Schweif.

Ich nähere mich langsam, um den ohnehin schon nervösen Putzdrachen nicht zu erschrecken und mache beruhigende Laute. Während ich rasch die durchtrennte Leitung flicke, jammert er in dem Putzdrachen eigentümlichen Dialekt vor sich hin:

    "Jejejej... wenn ich machen sauber und immer soviel Leitungs auf die Boden. Das nich gutt. Immer hängen bleibt an Leitungen und Schnüren. Jejeje... auch nich gut wenn alles am Boden. nein, nein.
    Viel schneller wäre, wenn nur nich soville Leitungen auf die Boden, jejejej..."
Ich versichere dem flagelanischem Putzdrachen langsam, daß wirklich nichts Tragisches passiert sei, und er zieht jammernd mit seinen ganzen Schweifen, Mops und Schaufeln von dannen.
Auf dem Rückweg denke ich, daß sich die Sternenflotte ruhig mal ein besseres Putzkommando leisten könnte. Vielleicht die iridianischen Schlammsauger?

Als in den Maschinenraum zurückkomme, ist die Inspektion der Sternenflotte bereits vollzählig anwesend und verstopft die Zwischenräume um den Warpkernel.
Der Captain ist auch dabei und redet verzweifelt auf den Admiral ein:

    "Ah... äh... das ist ja Herr Leisch. Darf ich vorstellen: Herr Leisch, Herr Butterhaupt..."
Ich trete vor den Admiral und nehme Haltung an. Der Admiral zieht die ausgestreckte Hand zögernd zurück und betrachtet mich unsicher.
Ich weiß genau, wie man mit hohen Offizieren umgehen muß; bloß keine Anbiederung, das können die nicht vertragen.
    "Ja... äh... vielleicht erklären Sie uns ganz kurz, woran Sie hier gerade arbeiten...", sagt der Captain gönnerhaft lächelnd.
Ich hole tief Luft.
    "Im Prinzip ist die Sache ganz einfach", beginne ich.
Der ganze Stab von Admiral Schmalzkopf, lauter Typen im Rang eines Commanders, grinst erleichtert.
    "Sie alle wissen, wie ein normaler Warp-Antrieb funktioniert, und daß wegen der hohen Neutrinodichte an der Spitze des Kerns Geschwindigkeiten oberhalb von 9,6 Warp unmöglich sind, weil dann die retro-perpendikulare Sensorphalanx, die wir zur Eindämmung des Warpkernelfeldes brauchen, unter der Shannonstrahlung schmelzen würde."
Die ersten lächelnden Fassaden beginnen einzustürzen. Wartet nur, es kommt noch besser.
    "Um die Neutrinoflußdichte zu veringern, plazieren wir knapp unterhalb des parabolischen Matrix-Tensors, also dort,wo sich die Gravitationskrümmung am stärksten auswirkt, eine künstliche Subraumanomalie, die den größten Teil der Neutrinos in ein anderes Parallel-Universum ableitet. Natürlich wissen Sie alle, daß sich so eine Subraum-Anomalie nicht aufrecht erhalten läßt, weil nach dem Konwalt-Lombard-Gesetz die Halbwertszeit der Anomalie umgekehrt proportional dem Cosinus-Hyperbolicus des Einfallswinkels der Tachionen ist."
Der ganze Stab bemüht sich so auszusehen, als ob ihnen das schon als Kadetten in der Akademie der Sternenflotte aufgefallen sei.
    "Aber jetzt kommt unser kleiner Trick: wir unterwerfen den Tachionen- Strom einen zirkular instabilen Tensorfeld, welches bewirkt, daß die Zeit für diese Tachionen schneller verläuft als für den Rest des Raums.
    Und da jeder weiß, daß Tachionen bei Zeitbeschleunigung einem orthogonalen Kraftvektor unterliegen, wird der Einfallswinkel zu Null und die Halbwertszeit der Anomalie geht gegen Unendlich."
Admiral Schmalzkopf starrt mich an, als ob ich ein plötzlich im Maschinenraum materialisierter jamkanischer Oktesel wäre. Der Stab beobachtet ihn verstohlen und wartet gespannt auf seine Reaktion. Dem Captain tropft der Schweiß von der Stirne.
    "Aha", sagt der Admiral schließlich mit soviel Verzögerung, daß jedem klar wird, wieviel er mitbekommen hat, nämlich gar nichts.
    "Ausgezeichnet. Und der Gewinn...?"
    "Der Gewinn liegt bei circa 250 % mehr Leistung", springe ich bereitwillig ein.
    "Ah", freut sich der Admiral, und der Stab entspannt sich sichtlich.
250 % Leistung, damit kann er was anfangen. Er hat irgendwann mal gelernt, daß alles über 100 gut und alles darunter schlecht ist.
Zumindest in den meisten Fällen. Manchmal auch umgekehrt.
    "Phantastisch", sagt er strahlend. "Machen Sie nur weiter so."
Die Inspektion der Sternenflotte zieht weiter.

Wenig später schaut Kollege O. von der Waffentechnik herein.

    "Wollen wir was Essen gehen?" fragt er.
    "Ok", sage ich, "ins '10 Faune' oder ins 'Kworks'?"
    "Wie bitte?"
    "Vergiß es. Ich hab' eh' keine Lust auf Ferengi-Küche. Holen wir uns ein klingonisches Sandwich."
Während wir den Korridor entlang gehen, fragt O.:
    "Und? Was hast du das Wochenende über getrieben?"
    "Nur 'n paar Startrek-Videos 'reingezogen."

 
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