BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Ich, der B.A.f.H., möchte heute den ultimativen Beweis antreten, daß die REALITÄT jede nur denkbare FIKTION in aller Hinsicht übertrifft.

Wir befinden uns jetzt in einer kleinen, rund gebogenen Wohnstraße einer mittelgroßen Stadt im Einzugsbereich Münchens. Nennen wir sie vorläufig den Buchenweg (Anm. der Redaktion: sämtliche Namen geändert!). Wir schreiten die ruhige schmale Straße entlang; links und rechts Drahtzäune und gerade gestutzte Hecken, hinter denen sich kleine, aber saubere Häuschen ducken. Vor den Häuschen stehen blitzsaubere deutsche Markenautos und funkeln in der Sonne, und an den diskreten grauen Verteilerkästen der Telekom erkennen wir, daß diese Straße bereits erfolgreich verkabelt wurde. Natürlich kein Durchgangsverkehr, zusätzlich verkehrsberuhigt durch Tempo Dreissig und Recht-vor-Links. Eine ruhige, friedliche Wohngegend mit ruhigen, friedlichen Bewohnern, die allesamt so langweilig sind, daß schon bei Einbruch der Dämmerung getrost die Gehwege hochgeklappt werden können.

Möchte man meinen. Man würde sich gewaltig irren!

Beginnen wir mit Paul Heimlich, der ganz hinten in der Biegung wohnt. Paul arbeitet für den BND. Von seiner erste Frau, Hannelore, hat er sich scheiden lassen, nachdem er sich bei einem dienstlichen Aufenthalt in Baden Baden einen Kurschatten namens Birgit angelacht hat. Außerdem kann er zu diesem Zeitpunkt schon mit dem ersten außerehelichen Kind aufwarten - allerdings wieder von einer anderen, deren Name mittlererweile in der Nachbarschaft verschollen ist.
Glücklicherweise war Paul so geschickt, angeblich aus steuerlichen Gründen das Haus ausschließlich auf seinen Namen zu führen und Gütertrennung zu vereinbaren. Hannelore geht also leer aus und verläßt den Buchenweg mit ihren drei Kindern.
Die neue Birgit hat sich allerdings das Leben an der Seite des Geheimdienstmannes Paul etwas anders vorgestellt. Wenn Paul von nervenaufreibender nachrichtendienstlicher Tätigkeit ermattet nach Hause kommt, steht sie schon fix und fertig für die Disco auf der Matte. Kein Wunder, daß Paul dieser Belastung auf die Dauer nicht gewachsen ist. Daher holt Birgit sich aus Köln Ersatz: ihr früherer Freund Ludwig, der immer in zweiter Reihe auf seine Chance bei Birgit gewartet hat, wird kurzerhand nach Bayern beordert. Ja, er verschleudert Birgit zuliebe sogar seine Firma in Köln und kauft ihr ein Haus in einer benachbarten Stadt. Allerdings ist das Glück nicht von langer Dauer: Birgit verläßt den dumm-treuen Ludwig schon nach wenigen Monaten, um mit einem Neuen (Name unbekannt) ein größeres Haus zu beziehen, wieder in einer anderen Stadt. Paul hat inzwischen die Nase voll von den deutschen Frauen, geht nach Spanien und lacht sich dort eine 20 Jahre jüngere Spanierin an. In das Haus ziehen neue Geheimdienstler ein...

Im Nachbarhaus lebt Katrin, die von ihrem Mann schon vor Jahren sitzengelassen wurde. Zum Glück für Katrin war ihr Verflossener Industrieller und hat - im Gegensatz zu Paul - vergessen, bei der Eheschließung Gütertrennung zu beantragen. Katrin lebt jahrzehntelang ganz gut von ihren Anteil am saftigen Braten. Nur vergißt sie leider öfters die Handbremse anzuziehen, und ihr teurer BMW rollt dann rückwärts quer über die abfallende Straße und rammt zum Ärgernis der Nachbarschaft die schmiedeeisernen Tore der gegenüberliegenden Grundstücke. Natürlich bestreitet Katrin jedesmal, daß es ihr BMW war, der die neue Delle produziert hat.

Zwischen den Hubers und Katrin lebt die junge Susi im Haus ihrer Großmutter - zumindest ist das die allgemeine Auffassung. In Wirklichkeit ist die Eigentümerschaft des Hauses seit elf Jahren reichlich umstritten. Denn seit der Stiefgroßvater von Susi ohne ordentliches Testament und ohne leibliche Kinder verstorben ist, sind einige Dutzend Juristen auf der ganzen Welt, im wesentlichen jedoch in Lateinamerika, auf der Suche nach weiteren möglichen Erben.
Jedenfalls lebt Susi im Moment zusammen mit ihrem Freund Alfred in diesem Haus. Wo Alfred herstammt, verliert sich im Dunkel; plötzlich ist er jedenfalls da und nimmt sofort alles in die Hand. Das Haus sei völlig falsch konstruiert und renovierungsbedürftig. Alfred reißt zuallererst die Zwischenwände im Erdgeschoß heraus, weil man in den engen 'Mauslöchern' Platzangst bekomme, und läßt sämtliche Fenster austauschen. Nebenher saniert er noch Katrins Garage, unter deren Dach sich ein Steinmarder häuslich niedergelassen hat, dessen Fäkalien und verwesende Mordopfer seit Jahren pestilezialischen Gestank über die ganz Nachbarschaft verbreiten. Natürlich zahlt Katrin keinen Pfennig für diesen nachbarlichen Dienst, und der Grund für eine weitere nachbarliche Fehde ist gelegt.
Dann geht Alfred - da er 'momentan nicht erwerbstätig' ist - das Geld aus, und er weigert sich, die Handwerker zu bezahlen, weil angeblich einige Fenster schief eingebaut wurden. Während der Rechtsstreit noch schwelt, ist das Erdgeschoß - wegen der rausgerissenen Zwischenwände - mittlererweile unbewohnbar geworden, und Susi und Alfred ziehen in den ersten Stock.
Bald darauf kommt Alfred wohl in ernste Geldschwierigkeiten.
Zunächst verkauft er Susis Minicooper (mit der Begründung, daß sie ja schließlich auch mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren könne), dann heiratet er zum Schein eine Kroatin, damit diese nicht abgeschoben werden kann, und kassiert dafür 4000 Mark.
Bei Susi, die sowieso schon allmählich von Alfreds Aktivitäten die Nase voll hat, bringt das das Faß zum Überlaufen. Nach einem prächtigen Krach, dessen Lautstärke die gesamte Nachbarschaft teilhaben läßt, zieht Susi zu ihren Eltern und läßt Alfred in dem Haus, dessen Eigentümerschaft, wie schon gesagt, nach wie vor ungeklärt ist, allein zurück. Alfred weigert sich auszuziehen, bevor nicht seine Renovierungsleistungen an dem Haus angemessen entlohnt worden sind. Die Familie von Susi dagegen argumentiert, daß er das Haus nicht renoviert, sondern unbewohnbar gemacht habe. Daraufhin verbreitet Alfred in der Nachbarschaft, daß er 'die Hütte' sowieso bald verkaufen werde, und dann nach Mexiko auswandern wolle. Wie er ein Haus an den Mann bringen möchte, das den Streitpunkt eines schwebenden Erbschaftsverfahrens darstellt, bleibt den Nachbarn unbekannt.

Alfreds Treiben ist wiederum Frau Huber von schräg gegenüber ein dauerndes Ärgernis. Frau Huber verfügt über ein bis zum Äußersten entwickeltes Sicherheitsbewußtsein. Ihr Gartentor ist immer abgeschlossen, seit ein paar Häuser weiter unten harmlose Insassen eines Pflegeheims einquartiert wurden. Gegen diese 'Irren' müsse man sich schützen. Jawohl! Sonst stehen die eines Tages plötzlich im Vorgarten, nicht wahr? Auf den Friedhof geht Frau Huber auch nur noch in Begleitung, seitdem dort einmal ein Mann auf einer Bank gesessen habe, der genau in dem Augenblick aufgestanden sei, als sie vorüberging. Alfred hat in letzter Zeit öfters Kerzen brennen - vielleicht fühlt er sich seit Susis Auszug einsam? Jedenfalls ist Frau Huber sicher, daß er eines Tages das Haus anzünden wird. Deshalb steht sie nun jeden Abend am Küchenfenster und beobachtet sicherheitshalber die Kerzen bei Alfred gegenüber. Im Ernstfall könne sie dann sofort Susis Familie anrufen, meint sie. Die Nachbarn setzen dagegen, daß sie - wenn schon nicht die Feuerwehr - vielleicht besser den alten Herr Nördlinger, den Bruder von Susis verstorbenen Stiefgroßvater alarmieren solle, der in der anderen Doppelhaushälfte von Susis/Alfreds Haus wohnt. Schließlich sei der doch etwas unmittelbarer betroffen, wenn das Haus abbrennt.

Übrigens, der alte Nördlinger. Der hat in seinem Leben auch nichts anbrennen lassen. Er hat hintereinander seine Frau und zwei Freundinnen überlebt. Pikanterweise dauert es nach der Beerdigung der zuletzt Verflossenen immer nur ein paar Tage bis die nächste auf der Matte steht. Inzwischen ist er 86, aber immer noch rüstig und streitbar.
Da er, als der Bruder des kinderlos verstorbenen Stiefgroßvaters von Susi, am ehesten als Erbe der anderen Doppelhaushälfte in Frage kommt, steht er mit dem 'dahergelaufenen Rumtreiber' Alfred erst Recht auf Kriegsfuß.

Nachbar Obermann interessiert sich nur wenig für all diese turbulenten Ereignisse. Er hat sich vor kurzem einen alten Kindheitstraum erfüllt und einen gebrauchten Traktor erstanden. Da er das kostbare Stück auf gar keinen Fall einfach so auf der Straße herumstehen lassen kann, schmückt das schön grün lackierte Ungetüm jetzt seinen Vorgarten.
Niemand weiß so recht, was Obermann eigentlich mit dem Ding vorhat, da er weder einen ausreichend großen Garten, noch sonst irgendwelche landwirtschaftlichen Grundstücke besitzt. Ab und zu erfreut er jedoch die Nachbarschaft mit lautstarken Proberundfahrten durch den Buchenweg.

Auch der junge Biederheimer, dessen Grundstück hinten an das von Obermanns grenzt, hat eine Investition fürs Leben getätigt - wenn auch in ganz anderer Richtung: Er hat sich eine Asiatin als Frau eingekauft, und seitdem wuseln zunehmend immer mehr kleine Halbasiaten durch den Buchenweg.

Und so geht es weiter und immer weiter: Durch herabgelassene Jalousien, durch Lücken in den hohen Hecken, durch Schlüssellöcher werden neue Entwicklungen aufmerksam beobachtet und über Zäune hinweg gründlich erörtert. Es brodelt und kocht, es brummt und zischelt im Buchenweg. Wozu brauchen wir noch die Lindenstraße im Fernsehen? Wozu überhaupt Fernsehen? Man schaue doch nur mal über den eigenen Gartenzaun!

Und wer sich jetzt souverän zurücklehnt und lächelnd meint, das sei jetzt mal wieder nur der typischen überhitzten Phantasie des B.A.f.H.
entsprungen, der irrt: Jedes Wort das hier geschrieben steht ist wahr und buchstäblich genau so geschehen!

Realität IST die beste Soap Opera, die man sich vorstellen kann.
Das Leben um uns herum ist ein einziges riesiges Kabarett;
man muß nur darauf achten !

 
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