BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Beim morgendlichen kurzen Sprint zum vorgewärmten Roadstar sehe ich meinen Atem als weiße Fahne vor mir herwehen. In der Cafeteria überschreitet die Dichte der Studenten pro verfügbarem Stehplatz den kritischen Wert von 3,75. Allen Ortes trifft man auf tief braungebrannte, fröstelnde Dozenten, die mit gehetztem Blick auf die Gucci-Armbanduhren äugen. Sämtliche Kopierer sind belegt oder wegen Überlastung ausgefallen.

Zwecklos es weiter zu leugnen: Das Wintersemester hat begonnen!

Auch für den BAFH ist dies eine Zeit hektischer Aktivität! Schließlich will man ja nicht unvorbereitet ins Semester gehen...

Sorgfältig überwache ich die Haustechniker bei der Installation der neuen vollelektronischen Schließanlage auf unserem Flur.

    "Es ist ein Skandal, wieviele Rechner in unserem Institut verschwinden", hatte ich dem Chef gesagt. "Wir brauchen eine Zugangskontrolle zu den Institutsräumen."
    "Ja, äh... nun ja, sicher... Sie haben sicher Recht, Leisch. Aber, äh...was das wieder kostet..."
Dabei war die Finanzierung ein Klacks. Im SCHWAFEL-Projekt gibt es einen Posten 'Qualitätskontrolle' mit über 20.000 Ecu. Da sich schon jetzt abzeichnet, daß bei dem Projekt (wie bei allen EG-Projekten!) nichts, aber auch gar nichts herauskommen wird, dessen Qualität man eventuell kontrollieren könnte, bezahle ich damit die 'Zugangskontrolle'. Falls jemand nachfragt, kann ich immer noch sagen, ich hätte mich verlesen.

Die Eurokraten können sowieso kein Deutsch, die meisten nicht mal genug Englisch, um unsere Abschlußberichte zu verstehen (einer der Gründe, warum in Brüssel alles so unendlich langsam abläuft, ist wohl die Tatsache, daß die dortigen Eurokraten sämtliche Berichte und Briefe Wort für Wort im Lexikon nachschauen müssen!).

Befriedigt sehe ich, wie die letzten Schrauben angezogen werden. Dann kommt der Test. Zugang ist nunmehr nur noch mit Kodekarte möglich (die Kodekarten vergibt nach eingehender Prüfung Frau Bezelmann persönlich!). Studenten und anderes Fußvolk müssen klingeln, damit jemand für sie aufs Knöpfchen drückt.

Kaum sind die Techniker abgezogen, modifiziere ich die Anlage dahingehend, daß es bei mir klingelt, wenn jemand den Knopf für die Bibliothek drückt.

Schon kurz darauf läutet es. Sie sind zu zweit, Brownie und Blondie.

    "Wir möchten gerne in die Bibliothek", erklärt Blondie zaghaft und Brownie lächelt unsicher.
    "Kann ich bitte Ihre Studentenausweise sehen?" frage ich höflich.
Beide fangen sofort an, in ihren ESPRIT Rucksäcken - Verzeihung - ESPRIT Backpacks zu kramen. Ganz offensichtlich Frischlinge!
    "Ah, ja", sage ich. "Wie ich sehe, haben Sie beide noch keine Bibliotheks- Verschleiß-Gebühr für dieses Semester entrichtet. Wenn Sie wollen, können wir das sofort erledigen. Kommen Sie bitte mit..."
Blondie und Brownie folgen mir wie verwirrte Lämmer in mein Büro.
Dort setze ich mich hinter mein Display und sage:
    "Wir haben - wie Sie sicher wissen - zwei Tarife: den normalen für 15 Mark und den erweiterten für 25 Mark."
Sie starren mich unsicher an.
    "Was ist denn der erweiterte Tarif?" wagt Blondie schließlich zu flüstern.
    "Der berechtigt Sie zum nicht nur zum Besuch der Bibliothek, sondern Sie dürfen sich dort sogar hinsetzen und eine Tischfläche von 80 x 100 Zentimeter für Ihre Recherchen belegen", erkläre ich geduldig.
Die beiden schauen sich ratlos an.
    "Dann nehme ich den erweiterten", entschließt sich Blondie.
    "Ich auch", ruft Brownie und kramt nach ihrer Geldbörse.
Am frühen Nachmittag haben bereits 61 Studenten ihre Bibliotheks- Verschleiß-Gebühren entrichtet. Ein hübscher Nebenverdienst!

Während ich auf Nachzügler warte, suche ich in der Werkstatt und in den Labors einen Haufen Computerschrott zusammen, entferne sorgfältig alle Hinweise auf unser Institut (man glaubt gar nicht, an welchen unmöglichen Stellen überall Inventar-Nummern angebracht werden!) und verpacke das Zeug in zwei Rechner-Kartons von der letzten CIP- Lieferung. Nachdem ich mich Dank PhotoShop mit den notwendigen Unterlagen versehen habe, setzte ich eine dunkle Sonnenbrille auf und leihe mir die fesche Schirmmütze von Kollege O., die er letztes Jahr aus Chicago von der 'International Processor Conference', kurz IPC, mitgebracht hat.

Auf dem Handwagen des Hausmeisters karre ich die beiden Kartons hinüber zur RKfH ('Nachschlagmöglichkeit' für die Neuhinzugekommenen!). Ich fahre, ohne lange zu fackeln, mitten ins Geschäftszimmer und wuchte die beiden Kartone auf den Boden.
Drei RKFHler starren mich verblüfft an.

    "Tach zusammen", sage ich gelangweilt und ziehe mit einer routinierten Bewegung die fingierten Lieferscheine aus der Gesäßtasche. "Internationel Parcel Catering. Ihre neue Anlage ist da. Kann mir jemand das bitte mal quittieren..."
    "Wer... wer hat denn das alles bestellt?" Eine der Reisekosten-Tanten - vermutlich die derzeit ranghöchste - hat sich aufgerafft und späht kurzsichtig auf die Papiere.
Ich runzele die Stirn und studiere nun meinerseits den Lieferschein.
    "Also da steht 'Mühlstein-Obergauer'."
Oberdobler, meine besonderere Freundin, ist in Urlaub. Ich weiß das, weil sie kurz vorher noch den Antrag auf Erstattung meiner umfangreichen Spesen in Las Vegas abgelehnt hat. Danach ist die feige Socke einfach abgedampft, und alle meine Eingaben werden seither nur mit dem Vermerk 'Sachbearbeiter auf Erholungsurlaub' beantwortet.

    "Na, gut. Wenn Frau Mühlstein-Obergauer das bestellt hat..."
    Sie will die Lieferung quittieren.
    "Moment noch", sage ich. "Vorher müssen die Liefergebühren an ICP bezahlt werden werden."
    "Liefergebühren?!"
Ich deute wieder auf den Wisch.
    "Da stehts: Lieferung durch ICP zu Lasten des Bestellers. Das macht 267 Mark 78."
Meine Forderung löst einige hektische Aktivität aus. Ein subalterner RKFHler wird sofort zur Amtskasse geschickt. Mehrere rote, grüne und gelbe Formulare müssen ausgefüllt und von mir gegengezeichnet werden.
Aber nach einer halben Stunde kann ich siegreich und um DM 267,78 reicher das Feld räumen.

Nachdem ich Kollege O. die Mütze zurückgebracht habe,
schnitze ich befriedigt eine neue tiefe Kerbe in meine Tischkante.

 
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