BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Heute ist 'HH'-Day. Denn heute erscheint gewöhnlich 'Hacker's Havoc', die einzige wissenschaftliche Zeitschrift, die ich gründlich von vorne bis hinten durcharbeite. Eine ungemein anregende Lektüre!

Also gehe ich heute ausnahmsweise in höchsteigener Person zur Poststelle, um nach dem Verbleib von 'Hacker's Havoc' zu fanden.

Der Glaskasten der Poststelle ist leer; ebenso das Postfach für unseren LEERStuhl. Ich will gerade wieder verschwinden, als ich eine vergessene Faxvorlage im Auswurfschacht des Faxgeräts bemerke.

Es gibt immer noch Leute, die glauben, ein Faxgerät 'frißt' die Vorlage komplett auf, zerlegt sie in winzige Papierschnitzel und wandelt die Papierschnitzel in digitale Signale um, die bei der Empfangsstation wie durch ein Wunder wieder zusammengesetzt werden. Aus diesem Grunde beobachtet diese Sorte von Leuten mit höchster Befriedigung, wie das Faxgerät ihr Dokument 'frißt', dann schlendern sie glücklich zurück in ihr Büro und vergessen, daß ihre Faxvorlage auf der anderen Seite gleich wieder ausgespuckt wird.

Manchmal frage ich mich, wie diese Sorte von Leuten überleben kann.

Ich kannte sogar mal eine Studentin, die ihr Referat in einem Hauptseminar damit begann, daß sie ein Buch nahm und es mit der geöffneten Seite nach unten auf den Overhead-Projektor legte. Die Tatsache, daß die Leinwand selbstverständlich dunkel blieb, kommentierte sie mit dem überraschten Ausruf:

    "Aber das funktioniert ja gar nicht!"
Soviel technisches Unverständnis muß bestraft werden. Also nehme ich die vergessene Faxvorlage mit in mein Büro und fahre die Schilde hoch.

Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um den Auftrag für eine Kontaktanzeige in einer der größeren Tageszeitungen.
Selbstverständlich mit Chiffre, wie es sich gehört. Man will ja nicht unbedingt das Opfer übler Scherze werden, nicht wahr?
Absender ist ein Herr Alex Stölzle. Wie ich aus dem Web unschwer erfahren kann, handelt es sich um einen ziemlich jungen Spund, Dipl.- Ing. der Informationstechnik und frisch importiert von der Technischen Universität Stuttgart.

Die Anzeige lautet:

    'Charm. ER, 31, 182, 73, Brtr., schl., ungeb., gefühlv., sens., rom., sportl., attr., NR, fin. unabh., su. liebev. SIE, 20-31, NR, bl., zw.
    gem. Freizeitgest., läng. Bez. erw., sp. Heir. mögl., Ki. ang., nur ernsth. Zuschr. u. Ch. 897453'
In seiner Beschreibung fehlt ganz offensichtlich noch ein 'extr. spars.' für 'extrem sparsam'. Ob es tatsächlich weibliche Wesen gibt, die auf so eine Anzeige antworten? Wahrscheinlich schaut eine Antwort dann ungefähr so aus:
'L. ER!
Attr. SIE, 28, 164, 65 + m, 5 J., dklh., zierl., s. sprtl., naturl., intell., gepfl., anschmgs., unkompl., liebesbed., viels. interess., m. pherom.
Ausstr., IQ 115, wün. mögl. bald. Treff. m. DIR, hff. auf bald. Antw.
unt. Ch. 654355'

Ich überlege einen Augenblick, ob ich die Kontaktanzeige scannen und in den News-Groups alt.contacts.s/m.newcomer oder alt.sex.fetish.blonds posten soll. Aber das habe ich schon Dutzende Male gemacht - und es ödet mich an!

Ich setze mich an den Rechner und tippe eine kurze, aber gefühlvolle Antwort an Chiffre 897453, in der ich die vorgeschlagene zukünftige 'Freizeitgest.' in zarten Pastelltönen ausmale. Dann schlage ich als mögliches erstes Treffen das Cafe 'Pink Roses' vor, nächsten Montag um halb sechs. Erkennungszeichen bei ihm: WalkMan auf dem Tisch, Erkennungszeichen bei ihr: schwarzer Rabe.
Dann füge ich noch folgenden Absatz hinzu:

    'Lieber unbekannter ER, jetzt habe ich noch eine große Bitte: mein Therapeut meint, daß ich instinktiv negative Gefühle aufbaue, wenn mich ein Unbekannter zuerst anspricht. Daher bitte ich dich inständig:
    bleib solange stumm, bis ich den Mut aufbringe, dich anzusprechen.
    Ich möchte nicht, daß unsere hoffnungsvolle Beziehung schon zu Beginn ... blablabla...raspelraspelraspel...blablabla'
Dann beginne ich einen zweiten Brief, adressiert an Frau Bezelmann, mit dem Absender:
    'Deutsche Arbeitsgemeinschaft der Rabenvögel-Halter e.V. (DARH), Kienzlegasse 4, 76854 Koblenz'

    Sehr verehrte Frau Bezelmann,

    wie unser Verein erfahren hat, sind Sie seit Jahren im Besitz eines Rabenvogels, genauer gesagt eines Kolkraben, corvus corax.
    Den Kolkraben wird immer nachgesagt, daß sie außerordentlich intelligent und in längerer Gefangenschaft sogar in der Lage seien, die menschliche Sprache in gewissem beschränkten Umfang zu erlernen.
    Unser Verein hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, diesen Gerüchten über den Kolkraben nachzugehen. Da es leider nur sehr wenige Exemplare gibt, die in längerer Gemeinschaft mit Menschen gelebt haben, möchten wir Sie herzlich bitten, sich mit einem Mitglied unseres Vereins, Herrn Dr.Stölzle, einem anerkannten jungen Ornithologen zu treffen. Unser junger Kollege möchte gerne die linguistischen Fähigkeiten Ihres Kolkraben in natürlicher Umgebung (also keinesfalls im Labor!) studieren. Er schlägt vor, daß sie sich in der entspannten Atmosphäre eines Cafes, genauer gesagt dem Cafe 'Pink Roses' mit ihm treffen und Ihren Raben gleich mitbringen. Wenn es Ihnen recht ist, nächsten Montag um halb sechs.
    Sie erkennen Herrn Dr.Stölzle an dem kleinen Bandgerät, das er vor sich auf dem Tisch liegen hat.
    Damit Ihr corvus corax möglichst unbeeinflußt bleibt, bittet Herr Stölzle Sie, anfangs möglichst gar nichts zu sprechen. Denken Sie bitte daran, wenn Sie unsere Einladung annehmen (Getränke und Verzehr gehen natürlich zu Lasten des Vereins).

    Mit freundlichen Grüßen,

    Annabel Jolinger (1. Vorstand)

Dann vermerke ich den Termin in meinem xcal - damit ich auch bestimmt pünktlich, komplett mit Videokamera, zur Stelle bin, um die beiden großen Schweiger in Aktion zu erleben.
 

 

 
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