BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Der Chef meint, ich müsse etwas für meine Hochschul-Karriere tun, und hat mich zu einem Hauptseminar verdonnert.

    "Ich... äh... ich weiß doch, äh... Leisch, daß... nun ja, daß Sie der geborene Hochschullehrer sind... hrrm... ja, und... äh... daß die... die...
    Dings, na! die Studenten von Ihrer... äh... Einführungs-Veranstaltung...
    äh... ja, ganz begeistert sind..."
Nach meiner letzten Einführungs-Vorlesung hatten sechs Studenten sich freiwillig einer Therapie unterzogen. Wenn man bedenkt, daß nur sieben es überhaupt gewagt hatten zu erscheinen, keine schlechte Quote.

Als ich den Chef frage, über welches Thema ich ein Hauptseminar veranstalten solle, meint er, ich solle mir was Interessantes einfallen lassen.

Die Wahl eines geeigneten Themas kann für den Erfolg einer LEERveranstaltung entscheidend sein - soviel habe ich schon gelernt. Um mir also allzuviel Stress zu ersparen, kündige ich mein Hauptseminar wie folgt an:

    "Performanz-Simulation von API-Switch-Kopplern mit Hilfe 7- dimensionaler nicht-linearer Tensor-Mathematik bei modulierter Heissenbergscher Tunnel-Exuberation (mit praktischen Übungen)"
Trotzdem erscheinen drei (männliche) Studenten zur Vorbesprechung.
    "Tres facit collegium", lächele ich grimmig und skizziere den dreien ein Semesterprogramm, daß die sauerstoffarmen Streberjüngelchen noch um fünf Grade blasser werden.
Beim nächsten Termin erscheint nur noch einer. Erleichtert kann ich die Veranstaltung wegen 'Mangels an Beteiligung' für dieses Semester absagen.

Bei der Einführungsveranstaltung, da Pflicht für alle Drittsemester, liegt der Fall nicht so einfach. Aber der Chef hat nicht ganz unrecht: ich finde daran sogar so etwas wie Gefallen (obwohl es natürlich mit anstrengender Arbeit verbunden ist!).

Gleich in der ersten Stunde frage ich, wer von den Anwesenden im letzten Semester durchgefallen ist, also diesmal die letzte Chance hat, das Vordiplom noch zu bestehen. Die Namen derer, die so dumm sind, die Hand zu heben, merke ich mir speziell für die Abschlußprüfung vor.

Dann lasse ich eine Liste herumgehen, wo die Studenten ihre email- Adressen eintragen sollen, damit sie von mir Unterrichtsmaterial beziehen können. Schließlich sind wir ein sehr fortschrittlicher LEERstuhl.
Außerdem macht es mehr Spaß, User-Mail zu lesen, wenn man das dazugehörige Gesicht kennt.

Danach beginne ich ohne weitere Verzögerung mit dem umfangreichen Stoff. Ich verwende in dieser Vorlesung meine bewährte 'Wechselbad- Didaktik': in den ersten Stunden heize ich den StudentInnen (da wars wieder!) so ein, daß später niemand sagen kann, ich hätte sie nicht gefordert. Den Rest des Semesters verbringe ich mit läppisch-seichten Zahlen-Spielereien, um dann in der Abschlußprüfung wieder voll zuzuschlagen.
Die Tatsache, daß noch niemand die Note 'Sehr gut' erzielt hat, seitdem ich diese Veranstaltung übernommen habe, beweist den durchschlagenden Erfolg meiner Methode.

Die Zeit schreitet voran und schon nach der ersten akademischen Stunde habe ich die gesamte Schulmathematik als 'banale Trivialitäten' an die Tafel geworfen und so schnell wieder abgewischt, daß niemand die Chance hatte, es mitzuschreiben. Der Angstschweiß steht meinen Hörern schon auf der Stirne, als ich locker sage:

    "Soviel zu den mathematischen Grundlagen, die Sie ja sicher schon beherrschen. Der Vollständigkeit halber wiederhole ich in den verbleibenden 40 Minuten noch kurz die Grundlagen der Quantenmechanik, die wir unbedingt brauchen werden."
Zur Abwechslung verwende ich jetzt den Overhead-Projektor, dessen Fresnell-Linse ich so mit Domestos verätzt habe, daß auf der Leinwand kaum noch etwas zu erkennen ist. Außerdem ziehe ich die mit Formeln vollgepackten blassen Folien so schnell durch, daß selbst ein Weltmeister im Schnell-Lesen ernsthafte Schwierigkeiten hätte.

Ein Student wagt es, eine absolut triviale Frage zu stellen. Ich ermahne ihn nachsichtig, seine Fragen für die wirklichen Probleme aufzusparen.
Als ich die Veranstaltung beende, sind sich 95 % der Anwesenden - mich selbst eingerechnet - relativ sicher, das falsche Studienfach gewählt zu haben.

Eine besonders hartnäckige Studentin tritt mir in den Weg, als ich mich endlich in die Cafete absetzen will.
Das mit der asymmetrischen Tensormatrix habe sie nicht ganz verstanden.
Wieso brauche man dazu einen Lagrange-Operator?

    "Ganz einfach", sage ich, "der Lagrange-Operator erleichtert die partielle Ableitung der Eigenwert-Matrix nach den rotierten Laplace-Koeffizienten.
    Sie können das alles im 'Klöber/Meindl' nachlesen, im Kapitel über rotierte Laplace-Koeffizienten."
Sie bedankt sich beeindruckt und verspricht, daß sie das sicher tun werde.

Auf dem Weg in die Cafete überlege ich flüchtig, wie lange sie wohl braucht um festzustellen, daß ein Buch dieser Autoren gar nicht existiert.
Genausowenig wie ein 'rotierter Laplace-Koeffizient'.

Auf alle möglichen Fragen eine Antwort wissen -
das ist es, was einen guten Hochschullehrer ausmacht !

 
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