BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Kollege O. ist dienstlich auf den Komoren - und ich 'darf' ihn im 'Praktikum für applikationsorientierte Programmierung', kurz PRAPPRO, vertreten.
Ich mache gute Miene zum bösen Spiel und marschiere am Dienstag morgen zu nachtschlafender Zeit hinüber in den CIP-Pool, wo bereits zwanzig Studenten (tatsächlich nur männliche!) im PRAPPRO meiner LEERweisheit harren.

"Meine Herren", sage ich, "heute vergessen Sie mal alle Theorie und bemühen Ihren gesunden Menschenverstand."

Man grinst unsicher und schielt in die Unterlagen, ob der Punkt 'Gesunder Menschenverstand' überhaupt im Vorlesungsprogramm steht.
Ich schalte den LEERmonitor aus, gehe nach vorne und male drei geschlossene Türen nebeneinander auf die Tafel.

"Hier sehen Sie drei geschlossene Türen. Hinter einer befindet Hella von Sinnen, hinter einer zweiten Helga Feddersen und hinter der dritten - Michelle Pfeiffer. Sie wissen aber nicht, welche Dame hinter welcher Türe steht - ich dagegen schon. Ihre Aufgabe besteht nun darin, eine der Türen zu öffnen und mit der dahinter befindlichen Dame... hmm... einen Abend zu verbringen. Wen würden Sie natürlich am liebsten finden?"

Ich deute auf einen pubertär grinsende Jüngling in der ersten Reihe.
"Äh... Michelle Pfeiffer?"
"Richtig! Und wie sind Ihre Chancen?" Ich deute auf seinen Nachbarn.
"Ein Drittel."
"Korrekt. Also etwa 33 zu 66. Jetzt ändern wir die Spielregeln etwas: Sie entscheiden sich zunächst wie vorher für eine der drei Türen, ÖFFNEN SIE ABER NOCH NICHT!
Dann öffne ICH eine der beiden übrigen Türen und zeige Ihnen, daß sich Michelle Pfeiffer dahinter NICHT befindet.
Jetzt haben Sie noch einmal die Wahl, ob Sie bei Ihrer ersten Entscheidung bleiben oder sich für die dritte, noch geschlossene Tür entscheiden. Bringt diese Möglichkeit zur Umentscheidung irgendeinen Vorteil für Sie?"
Zögerndes Kopfschütteln.
"Es ist also egal, ob Sie sich umentscheiden oder ob Sie bei Ihrer ersten Entscheidung bleiben?" frage ich.

Ein Student hebt die Hand.
"Es ist ganz egal", sagt er selbstsicher. "Denn wir wissen ja jetzt sicher, daß hinter den verbleibenden beiden Türen Michelle Pfeiffer und eine...
von den anderen steht. Folglich ist es egal, ob ich mich umentscheide oder nicht. Die Chancen für einen Treffer bei der zweiten Entscheidung stehen 50 zu 50."
"Ist das auch die Meinung der anderen?" frage ich in die Runde.
Allgemeines Köpfenicken.

"Gut", sage ich. "ICH behaupte jetzt, daß es durchaus einen Unterschied macht. Und zwar behaupte ich, daß Sie bessere Chancen haben, bei Michelle Pfeiffer zu landen, wenn Sie sich IMMER umentscheiden."
Das Studentenvolk glotzt ungläubig.

"Wenn Sie mir nicht glauben, biete ich eine kleine Wette an: Ich setzte jeweils fünf Mark pro Mitspieler auf meine Theorie, und Sie - wenn Sie mitspielen wollen - setzen jeder fünf Mark auf Ihre Theorie. Nachdem wir herausgefunden haben, wer Recht hat, wird der Jackpot auf die Gewinner verteilt."
Ungläubiges Grinsen; die Studenten gucken sich verblüfft an.

Von wegen 'applikationsorientierte Programmierung'! Diese Frischlinge haben noch keinen Dunst vom wirklichen Leben da draußen!
Ich werde dafür sorgen, daß sie zumindest diese Lektion nicht so leicht vergessen!

Der Naseweis von vorhin meldet sich wieder.
"Und wie finden wir heraus, welche Theorie die richtige ist?" will er wissen.
"Sie sind hier in einem Programmierpraktikum für 'applikationsorientierte Programmierung'", antworte ich süffisant lächelnd, "ist Ihnen das schon aufgefallen? Na, also! Dann programmieren Sie jetzt eine Simulation beider Theorien und lassen ein paar zigtausend Experimente durchlaufen.
Dann werden wir ja sehen, wer recht hat..."

Neunzehn von zweiundzwanzig setzen fünf Mark auf die 'fifty/fifty'- Theorie. Die restlichen drei Spielverderber merke ich mir für die Zwischenprüfung vor!

Dann lasse ich die Burschen loshacken. Ich sacke inzwischen das Geld ein und gehe hinüber zum 'Compu 4000', wo ich den neuesten Data-Glove erstehe.

Als ich nach eineinhalb Stunden zurückkomme, sehe ich ringsherum lange Gesichter. Bis auf einen Schmalspur-Programmierer, der einen Bug in seiner Zufallsroutine hatte, haben alle Ergebnisse herausbekommen, die meine Theorie bestätigen.
"Sie sehen also, meine Herren", fasse ich zusammen, "den gesunden Menschenverstand benutzen, heißt in erster Linie, ihm nicht zu trauen. Im Zweifelsfalle lieber ERST simulieren, DANN denken!

 
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