BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Ich sitze friedlich in meinem Büro und versuche, den neuesten Rechner der RKfH zu knacken. Es ist ein früher Donnerstagmorgen, und plötzlich fällt mir auf, daß wir schon mindestens seit den Sommerferien kein einziges Donnerstags-Lotto mehr veranstaltet haben.

Bother!

Dabei ist jetzt, wo die ganzen Studenten endlich von ihren Weltreisen zurück sind, die beste Zeit dafür!

Also gehe ich zu unserem Materialschrank neben dem Kopierer und begutachte den üblichen Stapel Kopiererfolien, die dort für die Mitarbeiter und Studenten bereitliegen. Sorgfältig füge ich eine nicht kopierfähige Folie ins untere Drittel des Stapels ein.

(Heutzutage gibt es kaum noch 'normale' Folien im Handel; praktisch alle sind kopierfähig. Zum Glück habe ich mich schon 1989, als wir das erste Mal das Vergnügen hatten, Donnerstags-Lotto zu spielen, mit einem ausreichenden Vorrat versehen.)

Die Spielregeln zum Donnerstags-Lotto sind ganz einfach: man wartet einfach den ganzen Donnerstag über, bis jemand die gewisse Folie in den Kopierer steckt und die Heizwalzen verbruzzelt. Dann kommen alle übrigen Mitarbeiter und Studenten im Gang zusammen und beobachten mit Genugtuung, wie Frau Bezelmann dem Unglücklichen den Kopf abreißt.

Und jeder freut sich, daß es nicht ihn erwischt hat.

Außer dem besagten Einen, natürlich! Aber bei jeden Spiel muß es Verlierer geben...

(Man beachte immerhin, daß es beim Donnerstags-Lotto viel mehr Gewinner als Verlierer gibt; die staatliche Lotteriegesellschaft könnte noch von mir lernen!)

Während ich auf die richtige 'Ziehung' warte, beschäftige ich mit mit Doro, der Hausmeisterdogge.
Anfangs hatten wir ja eine richtige Beziehungskrise - vor allem konnte Doro nie meine Begeisterung für 'High Tech' teilen - aber inzwischen verstehen wir uns prächtig.
Ich stopfe mir die Taschen mit Schmackos voll und führe Doro vor meine geschlossene Bürotüre. Die Schutzschilde (mein bewährtes rotes Pappschild 'Nicht eintreten - Versuch läuft!') sind im Moment nicht hochgefahren. Doro hockt sich auf ihren Schinken in den Flur und beobachtet mich aufmerksam, wie ich mich der Türe nähere und anklopfe.

Nichts passiert. Zur Belohnung bekommt Doro ein Schmacko.

Dann fahre ich die Schutzschilde hoch (sprich: drehe das Schild um) und schließe die Tür von außen. Wieder nähere ich mich meiner Bürotüre. Doro beginnt leise zu winseln. Als ich noch einen Meter von der Türe entfernt bin, geht das Winseln in drohendes Knurren über. Es klingt etwa so, wie wenn ein Space-Shuttle startet. Als ich die Hand hebe und so tue, als ob ich anklopfen wollte, richtet sich Doro zu voller Kalbsgröße auf und bellt einmal warnend. Die Fensterscheiben am Ende des Flures klirren leise nach. Zur Belohnung bekommt Doro zwei Schmackos.

Beruhigt lasse ich Doro auf ihrem Posten und fahre in die Stadt, um mir ein paar neue StarTrek-Videos zu besorgen. Die alten Schinken in unserem Archiv öden mich langsam an, und irgendwie muß man ja die Zeit bis zum Feierabend 'rumbringen.

Als ich nach noch nicht mal drei Stunden zurückkomme, sitzt Doro noch genauso da wie vorher. In ihren Lefzen hängen Reste von Nylon- Strumpfhosen und Fetzen von Jeans-Stoff. Ich gebe Doro noch zwei Schmackos.

Gerade noch rechtzeitig komme ich zur Siegerehrung im Donnerstags- Lotto. Heute hat ein katholischer Theologe das großen Los gezogen.
Geschieht ihm recht! Was hat er hier an unserem Kopierer zu suchen?
Keine vier Straßen weiter liegt der nächste Copyshop. Der Candidatus Gottesanbeter lächelt schmerzlich, während Frau Bezelmann ihm schonungslos die Leviten liest. Manchmal frage ich mich, wie diese Burschen es schaffen, in jeder Situation den Märtyrer herauszukehren.

Zwei Stunden später - ich schiebe gerade das zweite Video in den Apparat - rumpelt es störend vor meiner Türe. Bei dem Lärm kann sich kein Mensch konzentrieren, also schaue ich nach, wer es wagt, meine Nachmittagsruhe zu stören. Ich erblicke zwei Blaumänner, die einen nagelneuen Kopierer auspacken. Direkt vor meiner Bürotüre!
Auf meine Erkundigung, was das Bitteschön werden solle, steht Frau Bezelmann wie aus dem Nichts materialisiert neben mir und informiert mich, daß es sich um den Ersatzkopierer für unseren 'Reparaturfall' handele. Der Blick, den sie mir zuwirft, spricht Bände.

    "Und warum stellen Sie den ausgerechnet vor meine Türe und nicht dahin, wo der andere stand?" frage ich ungehalten.
Ich weiß nämlich schon, wie das ist: das dauernde Geräusch vom Kopierer, Gekicher und Gekreische, und alle 3 Minuten klopft jemand an meine Türe, weil das Papier verkehrt herum drin ist oder weil man nicht weiß, wo die Vorlage hineinkommt.

Man belehrt mich, daß der andere Kopierer ja noch an seinem Platz sei und sonst keine Ort mit Steckdose auf dem Gang zur Verfügung stehe.

Als ich sehe, um welche Steckdose es sich handelt, verzichte ich auf weitere Proteste, ziehe mich nur vorsichtshalber in mein Büro zurück und verrücke den Bürosessel so, daß ich freien Blick auf den Gang habe. Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich um die gewisse Steckdose B46, die nach einer routinemäßigen 'Überprüfung' durch die Haustechnik zur sofortigen Versetzung einer unserer Putzfrauen geführt hat. Auf Wunsch der Putzfrau, übrigens; der Staubsauger ging auch dabei drauf.

Gerüchte, daß ich irgendwie in die Sache verwickelt gewesen sei, sind leider niemals verstummt, obwohl jedem, der unsere Haustechnik kennt, klar sein müßte, daß diese auf meine Mithilfe in jeder Hinsicht verzichten kann.

Interessiert beobachte ich, wie die beiden Techniker den nagelneuen Kopierer anschließen und einschalten. Vorerst scheint alles zu funktionieren. Nach ein paar Probedurchläufen holt der Haupt- Techniker Frau Bezelmann, die auch gleich ein paar der neuen Features ausprobiert.
Der Haupt-Techniker redet wie ein BMW-Verkäufer:

    "...und dann gibt es bei diesem Modell auch noch die neue Super- Power-Option. Sehen Sie, wenn Sie nur von einer Vorlage kopieren, verdoppelt sich die Geschwindigkeit. Sehen Sie her..."
Er drückt einen Knopf und der Kopierer reagiert erwartungsgemäß mit Super-Power: Es gibt einen hellen Blitz und eine Serie trockener Explosionen, etwa wie wenn man das Magazin einer Kalaschnikov leerschießt. Bläuliche Stichflammen schießen aus allen Lüftungsschlitzen des Kopierers und drohen Frau Bezelmanns graue Kaschmir-Jacke anzusengen.

Ich halte den Augenblick für gekommen, in das Geschehen einzugreifen. Mit einen Knopfdruck löse ich den in meinen Bürosessel integrierten Feuerlöscher aus, der zwar eigentlich nicht für diesen Zweck vorgesehen ist, aber auch nicht schaden kann. Leider verfehle ich zuerst den Kopierer und verpasse dem Techniker und Frau Bezelmann eine volle Breitseite.
Nach einer leichten Korrektur nach links gelingt es mir, den fortschreitend explodierenden Kopierer einzuschäumen. Das Feuerwerk erlischt; auf dem Gang sieht es aus wie nach einer mißglückten Notlandung mit Schaumteppich. Frau Bezelmann und der eine Blaumann erheben sich wie zwei mißglückte Schneemänner aus der Schaummasse. Der andere Techniker hat sich schlauerweise beim ersten Knall in Sicherheit gebracht.

Seit die Hausmeister aus Versehen 50 Liter Kloreiniger in die Befeuchter der Klimaanlage gekippt hatten, haben wir keinen solchen Spaß mehr gehabt!

 
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