BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Ich rufe die Cluster-Übersicht aufs Display und betrachte mit Befriedigung die vielen kleinen bunten Balken, die alle fleissige CPUs in unserem Netz repräsentieren. Dann leite ich genüßlich einen totalen Shutdown aller Maschinen ein, und ein bunter Balken nach dem anderen wird schwarz.

Heute ist Umzugstag! Umzug bedeute Chaos! Ich liebe Chaos!

Nicht daß wir tatsächlich in ein neues Gebäude ziehen würden! Oh nein! Schließlich hat die Uni ja bekanntlich kein Geld, und das böse, böse KuMi (Kultusministerium) gibt uns erst recht keines!

Nein, es wurde beschlossen, daß wir hausintern umziehen, damit wenigstens ein Bruchteil der von uns irgendwann in den Siebziger Jahren beantragten Zusatzflächen endlich Realität annimmt. Konkret heißt das, daß wir zwölf neue Räume im Stockwerk unter uns bekommen, aber 10 Räume auf unserem Stockwerk wieder abgeben müssen. Der Reingewinn ist, na...?
Genau: 2 (in Worten: ZWEI) ganze Räume mehr!

(Eingeschobene Klammer auf!
Wer glaubt, dies sei triviale Arithmetik, der irrt gewaltig! Aber holla!
Der BAfH hat es schon mehrfach erlebt, daß in besonders hitzigen Raumplanungssitzungen sogar mit 'virtuellen Räumen' gerechnet wurde!
Ein 'virtueller Raum' ist im Gegensatz zum 'realen Raum' ein Raum der zwar nicht existiert, aber zum Ausgleichen von verschiedenen Instituts-Raum-Bilanzen verwendet werden kann. (Bleibt am Ende der Rechnung ein Rest virtueller Raum übrig, hat man einen Fehler gemacht!) Auch über 'imaginären Räume' wurde schon zäh verhandelt. Ein 'imaginärer Raum' ist ganz einfach die Wurzel aus einem negativen Raum. (Wobei nachher niemand mehr so genau sagen konnte, wie es überhaupt zu einem negativen Raum in der Bilanz kommen konnte. Die Kollegen von der theoretischen Physik behaupteten später zwar, es handelte sich möglicherweise um eine räumliche Quantenfluktuation, so ähnlich wie ja auch Elektronen und Positronen jederzeit spontan entstehen und wieder verschwinden können. Nur: die entsprechenden positiven Pendants sind nirgendwo wieder aufgetaucht (böse Zungen behaupten noch heute, daß die Physiker sie einfach geklaut haben!).) Eingeschobene Klammer wieder zu!)

An einer Universität, wo jeder halbe Quadratmeter Boden - vergleichbar den Grabenkämpfen des ersten Weltkriegs - heiß umkämpft wird, sind zwei Räume netto mehr ein beachtlicher Etappensieg, der nur durch zähes, jahrelanges Verhandeln mit der Uni-Verwaltung erreicht werden kann.

Es klopft an meiner Türe, obwohl die Schutzschilde oben sind.
Folglich kann es nur der Chef persönlich sein.
"Guten... ähm... Morgen, Herr Leisch. Äh... mein Rechner ist...
hm... ganz plötzlich... ja... der Bildschirm wurde plötzlich dunkel..."

Ich erinnere den Chef höflich daran, daß wir heute umziehen und daher das gesamte Netz heruntergefahren wird.
"Ah... ja richtig. Äh... wo...?"
Ich drücke dem Chef seinen Laufplan in die Hand, den ich vorsorglich schon bereitgelegt hatte.
"Hier ist alles genau festgelegt", erläutere ich, "Sie können genau sehen, wohin Ihre Möbel nacheinander transportiert werden müssen."

Der Chef studiert mit hochgeschobener Brille den Plan.
"Hmm... ja. Merkwürdig. Ich... ähm... dachte, wir hätten... äh... nur zwölf Räume dazubekommen und... ähm... müßten 10 wieder abgeben..."
Ich bestätige, daß dem so sei.
"Äh... ja, aber... hm... soweit ich das hier... äh... sehe, müssen insgesamt 17 Räume 23mal umgezogen werden. Mein Büro... ähm...
sogar dreimal...?"
"Das liegt daran, daß wir keine Räume zum Zwischenlagern der Möbel haben und außerdem komplizierte Netzbeziehungen zwischen den einzelnen Maschinen bestehen", erkläre ich geduldig. "Zum Beispiel muß der Router B zuerst einmal von Raum 345 nach 265 und dort wieder in Betrieb genommen werden. Dann können die Räume 332, 333 und 334 nach 214, 215 und 219 umgeräumt werden, weil erst dadurch das Subclusternetz Alpha umziehen kann. Dann muß der Router B wieder zurück nach..."
"Gut, gut", unterbricht mich der Chef hastig. "Das... äh... mag ja alles so sein. Aber... wenn ich das hier... äh... richtig verstehe, dann sind meine Möbel zum Schluß... hm... wieder im selben Raum?"
"Der Plan ist das Ergebnis einer Computersimulation mit SIMLINK", sage ich milde, um die Diskussion zu beenden.
"Ach so!" freut sich der Chef, und seine Stirn glättet sich schlagartig.
"SIMLINK, was? Na, dann... äh... hat das ja sicher... sicher seine...
äh... Richtigkeit, nicht?"

Daß ich die Randbedingungen für unseren automatisierten Problemlöser SIMLINKetwas eigenwillig gestaltet habe, muß ich ja nicht extra erwähnen. Nach der ersten Lösung, die unser neuestes KI-System ausgespuckt hatte, wären nur 13 Transporte nötig gewesen! Eine solche Lösung nimmt einem keiner ab! Viel zu einfach!

Ein Umzug hat chaotisch zu sein! Dafür sorge ich!

Ich rufe die Haustechnik an und gebe die letzten Anweisungen:
"Passen Sie auf: Das Backbone-Kabel, 3. Segment muß durch die Räume 217, 218 und bis nach 222 und von dort durch die Decke nach 322 verlegt werden..."
"Aber dann führt das Kabel ja durch die Cafeteria...?"
Warum müssen die Leute immer mitdenken! Sollen sie das Denken doch mir überlassen! Erwähnte ich schon mal, daß ich in Zukunft Bestellungen per Netzwerk an die Cafete stellen wollte? Na, also!
Und jetzt kommt irgendein dahergelaufener Installateur und stellt meine Planung in Frage!
"Nach unsrer Computersimulation ist das der günstigste Weg", sage ich.
Der Mann von der Haustechnik ist nicht so leicht zu überzeugen wie der Chef:
"Also, ich denke aber..."
"Sie haben aber gar keine Zeit mehr zum Denken", sage ich milde.
"Häh?!"
"Sie sollten lieber Ihre Zeit nutzen und noch einmal die Feuermelder und Rauchsensoren in der Tiefgarage überprüfen. Nur damit es nicht zu plötzlichen FEHLFUNKTIONEN kommt..."
"Fehlfunktionen? In der Tiefgarage? Oh..."

MEMORY KICKED IN!

"Oh! Ja, Sie haben sicher recht. Ich sollte mich nochmal um die...
hmm... Feuermelder kümmern... Ja, dann... äh... ist ja wohl alles klar..."
Anscheinend ist ihm gerade noch rechtzeitig wieder eingfallen, daß er es mit dem BAfH persönlich zu tun hat.

Ich mache mir eine kleine Vormerkung im elektronischen Kalender, daß ich meine kleinen Feuerübungen in der Tiefgarage in Zukunft etwas häufiger durchführen werde!

Kollege W. stürmt in mein Büro; auf seinen Wangen zeichnen sich rote Flecken ab und sein Atem geht heftig.
"Wo ist die BS2000 hingekommen?" schreit er mit überschnappender Stimme. Ich werfe einen Blick auf meinen Plan.
"Liegt bereits sicher verwahrt im Container PL-X1", sage ich.
"Oh... ah! Äh... gut. Und wo steht dieser Container im Moment?"
"Im Rostoff-Sammelhof."

Zehn, neun, acht, sieben, sechs,...

"WAS???"
"Die uralte Kiste fiel ja schon beim Tragen auseinander. Mein Lieber, es gibt auch für Maschinen gewisse Lebenserwartungen. Alles, was darüber hinaus geht, ist doch nur Maschinen-Quälerei. Wollen Sie, daß uns der Maschinenschutzbund verklagt?"
"Wir waren 17 Jahre zusammen!" Kollege W. ist den Tränen nahe.
"Aber... aber womit soll ich denn jetzt...?"

"Sie bekommen eine wunderhübsche junge knackige Workstation mit 170 Megahertz", sage ich. "Ein Baby, das Ihnen schon nach ein paar Tagen schlaflose Nächte bereiten wird. Reissen Sie sich zusammen, Mann! Sie sind doch wirklich noch nicht zu alt für eine neue Beziehung!"
Kollege W. zieht einen Schmollmund:
"Die Neue kann bestimmt kein Fortran und PL", sagt er trotzig.
"Aber natürlich kann sie das. Sie kommt mit den besten Präferenzen", sage ich schmeichelnd und gucke wieder auf den Plan. "Sie wartet schon auf Sie, im Raum 233. Vielleicht sollten Sie gleich mal hingehen und Ihr Jungfern-Programm starten."

Kollege W. zieht grollend ab. Ich logge mich auf seinem neuen 'Baby' ein und starte das Programm FREUDIANER-7. Das wird ihm helfen, darüber wegkommen.

Warum haben wir eigentlich keinen Seelen-Klempner am Institut?

 
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