BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Im Workstation-Cluster ist ganz schön Betrieb: 24 Benutzer tun so, als ob sie wissenschaftlich arbeiten würden. Alle Netzsegmente funktionieren und im PC-Labor klickern die Keyboards der Studenten um die Wette. Und alles läuft wie geschmiert!

Ich starte eine Handvoll Jobs mit hoher Priorität, die eine Faktorenanalyse über die ersten 10000 Postleitzahlen durchführen, und verteile sie auf die am meisten belasteten Workstations. Dann verhänge ich einen nicht angekündigten Wartungszyklus für das Subsegment mit den meisten Rechnern, lösche sämtliche Usermail von heute (NACHDEM ich sie oberflächlich durchgeschaut habe) und vertausche zyklisch alle Drucker-Queues.

Nur damit sich die Mitarbeiter nicht dran gewöhnen, daß immer alles so glatt läuft!

Sicherheitshalber verlege ich noch die Hardware-Sprechstunde auf den 30.02. Dann hänge ich ein Schild an meine Tür: 'Bin in der Vorlesung' und gehe hinunter zu den katholischen Theologen. Schließlich habe ich mir die ganze letzte Nacht mit 'Monkey Island' um die Ohren geschlagen und brauche jetzt dringend Ruhe.

Ich wähle das Proseminar von Pater Falus und setze mich, ohne weiter aufzufallen, unter die anderen schlafenden Studenten in die vorletzte Reihe. Mein Nachbar schnurchelt leise vor sich hin. Die eintönige, salbungsvolle Stimme des Paters lullt mich sanft in den Schlaf:
"... man die Schöpfungstat Gottes nach der Analogie der immanenten Tätigkeit des endlichen Seienden verstehen, dann müßte man - so scheint es zumindest - zu einer pantheistischen Auffassung des absoluten Seins kommen, nach der das Absolute sich selbst entfaltend die Welt hervorbringt. Die Welt wäre dann eine notwendige Emanation des göttlichen Wesens, eine Art 'natura naturata' (um die Terminologie Spinoza zu gebrauchen), ein Mittel also, durch das das Absolute erst zu sich kommt..."

Als ich eineinhalb Stunden später wieder zu mir komme, ist Pater Falus zum Kirchenrecht übergegangen:
"... Zölibat ist durch die zwei folgenden Rechtssätze geordnet:
Erstens: Der Kleriker darf nicht heiraten; der Versuch macht irregulär und bewirkt Exkommunikation."
Mittlererweile sind alle Theologiestudenten um mich herum hellwach, rutschen unbehaglich auf ihren Stühlen herum und grinsen so dämlich wie pubertierende Zehntklässler im Aufklärungsunterricht.
Pater Falus doziert weiter:
"Zweitens: Der Verheiratete darf nicht geweiht werden. Dispens wird nur gewährt, wenn die Frau in ein Kloster eintritt..."
Nervöses Gekicher weiter vorne.
"...die Fortsetzung der Ehe ist auch dem mit Dispens Geweihtem verboten, jedoch kann auch von diesem Verbot Dispens gewährt werden."
Damit ist für den guten Pater das peinliche Thema abgeschlossen und er greift erleichtert zum nächsten Manuskript. Ich hebe meinen Arm. Pater Falus äugt irritiert über den Rand seiner Lesebrille.
"Ja? Sie haben eine Frage?"
"Ja", sage ich, "ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Schließlich ist das ja für die Zukunft nicht ganz unwichtig..."
Wieder unterdrücktes Gekicher.
"Ich kann also ruhig heiraten, muß mich aber dann vor der Weihe zum Priester um einen Dispens des heiligen Stuhls bemühen, den ich nur bekomme, wenn meine Frau in ein Kloster eintritt?"
Pater Falus hüstelt peinlich berührt.
"Nun. Theoretisch mag das so..."
"Ich kann aber weiterhin mit meiner Frau Beischlaf pflegen, wenn ich zusätzlich einen Dispens zur Fortsetzung der Ehe erhalte", fahre ich ungerührt fort.
Beim Wort 'Beischlaf' überzieht sich Gesicht und Tonsur des Paters mit kirchlichem Purpur. Weiter hinten lacht jemand unterdrückt.
"Äh... nun ja. Im kanonischen Recht..."
"Ich meine, wie mache ich das denn so rein praktisch? Gehe ich am Abend mit dem Dispens zur Mutter Oberin und sage, daß ich die Absicht habe, diese Nacht meiner eigenen Frau, die ja inzwischen Nonne geworden ist, geschlechtlich beizuwohnen? Was sagen denn da die anderen Nonnen dazu?"
Unruhe im Auditorium. Die Studenten rings um mich her beginnen, unauffällig von mir abzurücken. Wehe, weiche! Der Böse, der unbequeme Fragen stellt, ist unter uns!
Dem armen Pater steht der Schweiß auf der Stirne.
"Ich... ich denke, wir sollten das... dieses Thema nach der Stunde privat besprechen", stottert er.
Fast tut er mir leid; also lasse ich ihn vom Haken und sage nichts mehr.

Wenn der gute Pater wüßte, wie oft in den Mailboxen seiner Studenten von Sex und anderen pikanten Themen die Rede ist. Irgendwo müssen die armen Jungs ja ihren sexuellen Frustrationen ein Ventil schaffen.
Und wenn man weiß, daß nach der Weihe nix mehr los sein darf, schlägt man natürlich vorher noch ein wenig auf Vorrat über die Stränge!

Auf dem Weg zurück in mein Büro begegnet mir ein Traum von Mädchen und lächelt mich so schelmisch an, daß meine Wirbel Polka tanzen.

Gut, daß ich für die Konkurrenz arbeite!

 
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