BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Obwohl Montag ist, bin ich heute ausnahmsweise guter Laune. Der Grund? Mein Auto hat wieder einmal versucht, mich 'reinzulegen. Und diesmal auf so raffinierte Weise, daß es meine angeborene Vorliebe für die Tücke des Objekts entfacht hat!

Ich schleiche also heute Morgen (so gegen elf Uhr) schlaftrunken auf die Straße und suche mein Auto. Zuerst denke ich, ein geistig umnachteter Automarder hat mich endlich von dieser Schrottkiste befreit, da entdecke ich es - keine 10 Schritte entfernt. Es ist so dreckig, daß sich die Farbe perfekt dem grauen Asphalt angepaßt hat.
Damit das nicht wieder vorkommt, fahre ich gemütlich - es ist ja noch früh am Tage - zur nächsten Autowaschanlage. Es ist eine von diesen modernen Dingern, wo man im Wagen sitzen bleibt und langsam durchgeschleust wird. Ich kurbele also das Fenster runter, stecke den Chip in die Maschine und drücke den Startknopf. Die Tore schließen automatisch hinter mir und auf der Motorhaube beginnt es bereits zu schäumen. Ich kurbele schnell das Fenster wieder hoch, als sich plötzlich - Knackknirsch - die Kurbel festfrißt. Das Fenster ist noch zwei Drittel offen und die Shampoo-Düsen kommen unerbittlich auf mich zu. An Flucht ist nicht zu denken. Ich sitze in der Falle, und mein Wagen quietscht triumphierend mit dem Keilriemen.
In Nullkommanix werde ich eingeseift. Obwohl ich fast nichts mehr sehen kann - das Auto-Shampoo brennt übrigens gräßlich in den Augen -, gelingt es mir, die Fußmatte heraufzuangeln und gegen die Öffnung zu pressen. Die riesige Drehbürste walzt über mich hinweg wie ein Tornado aus 'Twisters'. Mühelos saugt sie mir die glitschige Fußmatte aus den Händen, und die Matte verschwindet irgendwo im Schaumchaos.
Ich erspare euch die restlichen Waschgänge. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, daß ich in Zukunft auf Heißwachs verzichten werde!
Endlich wird das Auto mit einem Ruck in die Trockenzone befördert.
'Glanztrocknen' blinkt es in großer freundlicher Leuchtschrift durch das offene Fenster. Ein wahrer Taifun - eiskalt übrigens - kehrt im Wageninneren das Unterste zuoberst. Bonbonpapiere, vertrocknete Apfelbutzen, alte Handschuhe, Brotkrumen, ein halbes Reparaturbuch, eine zerfetzte McDonalds-Tüte, ein paar Dutzend ungebrauchte Papiertaschentücher und mindestens drei gebrauchte umkreisen meinen Kopf. Der Wind zerrt an meinem Haar und heult mir in die Ohren.
Endlich gibt mich die Folterkammer frei und ich torkele erschöpft aus dem Wagen. Das B.C.f.H. (Bastard Car from Hell) hechelt im Leerlauf und grinst mich mit seinen Scheinwerfern hämisch an. Es schaut so durchtrieben unschuldig, daß ich unwillkürlich laut lachen muß. Zwei knackige Mädchen in einem dunkelgrünen Mini, die gerade zur Zapfsäule heranrollen, geben bei meinem Anblick erschrocken Gas und suchen das Weite.

Nun ja. Inzwischen steht mein Auto in der Tiefgarage und denkt sich neue Schandtaten aus. Und ich muß mich mit den Technikern der Telekom herumschlagen. Die Deutsche Telekom ist an sich eine wunderbare Organisation; sie hat nur einen kleinen Fehler: es gibt viel zuviele interne Telefonnummern.
Ganz klar: wenn eine Firma nur 2 oder 3 Servicenummern hat, wird man früher oder später an die richtige weitervermittelt. Die Telekom hat ganz offensichtlich Tausende von Servicenummern - wohl in der irrigen Annahme, daß damit auch die Serviceleistung proportional gesteigert würde. Natürlich ist das ein fataler Irrtum. Denn auch die Angestellten der Telekom selber kommen mit einer solchen Vielfalt von Nummern einfach nicht mehr zurecht.

Ich rufe Marianne und den Kollegen O. in mein Büro und erkläre die Sachlage: So und so. Der ISDN-Anschluß vom Labor 3 muß in den Rechnerraum im ersten Stock verlegt werden.
Kollege O. tippt auf 9; Marianne entscheidet sich nach kurzen Zögern für 6, und ich tippe auf 7.
Dann schalte ich den Lautsprecher ein und wähle die allgemeine Service-Nummer der Telekom.
Zwanzig Minuten später wird es spannend: man hat uns an die sechste Stelle vermittelt. Aber auch diese kann es nicht begreifen, "...wieso der Kollege Sie ausgerechnet mit mir verbunden hat. Hier sind Sie ja ganz falsch. Sie müssen zum Großkunden-Service. Warten Sie, ich verbinde Sie mal weiter..."
Ich grinse befriedigt, und Marianne zieht einen Schnute.
Aber leider ist der "...Großkunden-Service im Prinzip richtig. Aber Sie sind beim falschen Buchstaben gelandet. Wir sind nur zuständig für die Buchstaben A bis einschließlich H. Aber ich kann Sie mit der richtigen Nummer verbinden..."
Es bleibt bei 8. Kollege O. und ich teilen uns Mariannes Einsatz.

Zwei Monate später steht tatsächlich ein Techniker vor meiner Türe.
"Jo, wo is denn jetzt der Gabelganal?"
Der Techniker ist Franke, wie unschwer zu hören ist.
"Un' des Bädschfeld? Wo ham Se denn des Bädschfeld mondierd?"
Ich zeige ihm Kabelkanal und das Patch-Feld, und er werkelt eine Stunde vor sich hin. Dann kommt er, um sich den Auftrag von mir abzeichnen zu lassen. Plötzlich stutzt er, den Bleistift unentschlossen in der Hand:
"Jo, wie schreibd ma denn eigendlich Bädschen? Mid hadde oda weiche B?"

 
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