BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Es ist 14 Uhr vorbei und ich sitze wie jedermann um diese Zeit bei geöffneter Türe in meinem Büro und warte, daß der Chef seine Runde macht.
    "Wir sind ein OFFENES Institut", pflegt er ausländischen Gästen gegenüber immer stolz zu betonen. Besonders Russen und Chinesen gegenüber.
    "Bei uns gibt es keine Geheimnisse. Deshalb stehen unsere Bürotüren immer OFFEN."
Die ausländischen Gäste bewundern dann höflich lächelnd (die Chinesen) oder auch weniger höflich lächelnd (die Russen) unsere OFFENEN Türen und fragen sich, hinter welcher verdammten OFFENEN Türe es jetzt endlich was zu trinken gibt.

Sobald der Chef sich nach seinem Rundgang wieder in seinem Büro verzogen hat, schließt jeder schleunigst seine OFFENE Türe hinter sich, damit er nicht andauernd die Studenten sehen muß, die müßig in den Gängen herumlungern und rauchen, haschen oder was Studenten halt sonst noch so den ganzen Tag machen.

Heute hat sich der Chef verspätet. Oder....
Ich schaue gerade zur offenen Türe, als ein Traum von einem absolut scharfem Mädchen vorüberschwebt. Eine Wolke teueren Parfüms erreicht meine bebenden Nüstern.

Mit einem Satz bin ich an der Türe und ziehe an der roten Schnur, die dort für solche Fälle bereithängt. Der Stapel leerer Computerkartonagen, den ich kunstvoll auf einem der Aktenschränke im Gang installiert habe, stürzt ein wie ein gesprengtes Hochhaus.
Genau dem schwebendem Traum vor die hochhackig bewehrten Füße.
Von hinten schaut sie in ihren Hotpants fast noch besser aus als von vorne. Sie quietscht erwartungsgemäß und macht erschrocken einen Satz nach hinten - genau in meine starken (sic!) Arme!

Leider fällt sie nicht auch noch in Ohnmacht - diesmal also keine Wiederbelebungsmaßnahmen.

    "Himmel, müssen Sie sich erschreckt haben", sage ich entsetzt. "Ich habe schon immer gesagt, diese Abfallstapel da werden nochmal jemanden unter sich begraben."
Sie ist vor Schreck ganz bleich unter ihrem Makeup und ihr ... äh ...
Dekollete (sic!) wogt aufgeregt auf und nieder. Ich führe sie behutsam in mein Büro, setze sie auf meinen Stuhl und bringe ihr ein Glas Wasser. Bevor sie sich noch von dem Schrecken erholt hat, überrede ich sie, mir ihre Telefonnummer zu überlassen, damit ich mich morgen erkundigen kann, ob der Unfall auch keine Folgeschäden bewirkt hat.
Dann werden wir weitersehen....
Als wir uns verabschieden, ist sie ganz von Dankbarkeit erfüllt.

Kaum ist sie weg, reißt mich das Telefon aus meinen angenehmen Tagträumen. Ich bin so guter Laune; also hebe ich ab.

    "HABEN SIE EIN FAXGERÄT?!" brüllt es durch die Leitung.
Ich lege auf. Schlechte Manieren sind mir ein Greul. Nicht mal 'Guten Tag' hat er gesagt.

Das Telefon klingelt wieder. Da sich meine gute Laune hartnäckig hält - ich wundere mich selber! - hebe ich noch einmal ab.

    "SIE HABEN MIR 150 METER SCHWARZES PAPIER GEFAXT!
    LEUGNEN IST ZWECKLOS! GEBEN SIE ES ZU!"
    "Sie sind mit dem Anschluß 897-5674 verbunden", sage ich mit monotoner Stimme. "Leider bin ich im Moment nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Piepston. Ich rufe dann sobald als möglich zurück."
Ich drücke die Null für den Piepston und warte.
    "Äh...Hier spricht Leitner... äh... 897-2132. Hrrrm. Hören Sie gut zu!
    Diese Faxgeschichte von gestern wird noch ein Nachspiel haben! Das garantiere ich Ihnen!!" Der Hörer kracht auf die Gabel.
Leitner? Der Name kommt mir bekannt vor. Ich schaue in den Web- Server der Uni und suche nach Leitner.
Aha: Leitner, Prof. Dr. F., Kanzler. Sogar mit fortschrittlicher Email- Adresse.
Der neue Kanzler also. Klar, der alte hätte sich so einen Anruf dreimal überlegt...

Als kleinen Vorgeschmack schicke ich den Kernel meiner Workstation - immerhin 8 MB - 199mal über den anonymen Email-Server in Finnland an die Emailadresse des Kanzlers. Außerdem starte ich einen Cronjob, der diese Prozedur in unregelmäßigen Abständen wiederholt.

Als nächstes suche ich in der illegalen Autokennzeichen-Datenbasis im Internet nach 'Leitner F.'.
Der gute Mann hat drei (sic!!) Wagen angemeldet. Der Mercedes 600 ist wahrscheinlich sein Dienstwagen. Ich rufe bei der Abschleppfirma an, die regelmäßig die illegalen Dauerparker in unserer Tiefgarage entsorgt, und gebe denen die Autonummer durch. Der Mann am anderen Ende entschuldigt sich, daß sie erst in einer Stunde kommen können. Ich versichere ihm, daß das noch dicke reicht.

Als nächstes schicke ich ein hübsches kleines Skript per rsh auf die Reise, das den altersschwachen Verwaltungsrechner der RKFH ('ReiseKostenstelle From Heaven' - das war aber jetzt das letzte Mal.
In Zukunft wißt ihr Bescheid, ok?) zuverlässig in die Knie zwingt.
Während die PRIME schnaufend wieder hochfährt, logge ich mich über einen Service-Account dort ein und gehe stracks in die Reisekostenabrechnungen von unserem neuen Kanzler. In den letzten sechs Abrechnungen, die alle noch nicht angewiesen sind (der RKFH sei Dank!), korrigiere ich die Spesenabrechnungen jeweils um zwei Größenordnungen nach oben. Sodann schreibe ich einen knappen, aber aussagekräftigen anonymen Brief an den bayerischen Rechnungshof, mit genauen Angaben, wo sie die Abrechnungen eines bestimmten Spitzenbeamten mal etwas genauer unter die Lupe nehmen sollten.

Zu guter Letzt vertausche ich im Telefoncomputer der Uni meine Nummer mit der des Sekretariats vom Rektor. Es war sowieso mal wieder an der Zeit, meine Nummer zu ändern.

Viel zu viele Anrufe in der letzten Zeit...!

 
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