BASTARD   ASS ( I )   FROM   HELL

von Florian Schiel              

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B.A.f.H.
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Wenn ich morgens ins Büro komme, knallt schon die Sonne durch die Ostfenster und sorgt für eine angenehme Raumtemperatur von 40 Grad. Draußen zwitschern die Vöglein, die ersten Studentinnen mit Miniröcken tauchen auf und die Angestellten der Cafete stellen die Biertische und -bänke auf den Hof unter meinem Fenster.
Es ist nicht zu übersehen: es wird Frühling. Alles strotzt vor Tatendrang und frischem Mut - mich natürlich eingeschlossen.

Ich verbringe einen ruhigen Vormittag damit, die Klistierspritzen wieder an meinem Fensterbrett zu befestigen, mit denen ich auf Knopfdruck kleine Salven Yoghurt auf die Studenten an den Biertischen verschießen kann. Der Effekt ist jedesmal wieder erheiternd - vor allem wenn gerade Möven oder sonstiges Federvieh über dem Biergarten kreisen.

Dann leie ich mir aus unserer Werkstatt den Akkuschrauber und löse bei allen Bänken die Halteschrauben der Füße. Nichts lockert einen heißen, langweiligen Sommernachmittag mehr auf, als eine unter der Last von 6 StudentInnen zusammenbrechende Bank.

Wohl ausgerüstet für den Sommer mache ich wieder an meine eigentliche Arbeit. Die EPROMs unserer Telefonanlage waren nicht leicht zu knacken, aber Beharrlichkeit führt bekanntlich zum Ziel.
Gerade rechtzeitig für einen Test kommt der Chef ins Büro.

    "Herr Leisch...äh, wir haben ganz vergessen: wir müssen ...äh...unbedingt heute noch ..."
Ich drücke unauffällig auf den Fußschalter unter meinem Schreibtisch, den ich gestern in meiner Sparkasse habe mitgehen lassen. (Das wird übrigens auch so ein Gag, wenn die beim nächsten Banküberfall ins Leere treten!) Augenblicklich läutet das Telefon. Mit einem entschuldigenden Lächeln hebe ich ab. Natürlich ist niemand dran, aber ich führe mit der geduldig schweigenden Telefonanlage eine längere und schwierige Diskussion über irgendein technisches Thema, das der Chef sowieso nicht versteht. Der Chef wartet geduldig, bis ich fertig bin; dann nimmt er den Faden wieder auf:
    "Äh... also wie gesagt, auf dem Weg hierher ist mir eingefallen...äh, wir müssen..."
Das Telefon läutet wieder. Diesmal ist es sogar jemand aus USA, der dringend meine Hilfe braucht. Der Chef kann nicht erwarten, daß ich ein wichtiges Ferngespräch einfach so abwürge. Also wartet er wieder - allerdings nicht mehr ganz so geduldig - bis ich nach 5 Minuten wieder auflege.
    "Errr... wo war ich gleich? Ach ja...hrrrm... wir haben ganz vergessen, daß wir noch heute..."
Das Telefon läutet. Neuseeland ist dran, mit ganz wichtigen Informationen für uns.
Nachdem auch noch Paris, Washington DC und der CIA angerufen haben, gibt es der Chef auf und geht mit seiner Aufgabe ein Büro weiter zum Kollegen O.

Ich aktiviere übers Netz das Mikrophon an Os Workstation, stülpe den Kopfhörer über und höre mir an, was der Chef eigentlich Unangenehmes von mir wollte.

    "Äh... gut, daß ich Sie antreffe, Herr O. Eigentlich hatte ich ja Leisch versprochen ...äh, aber ich fürchte, er wird sowieso viel zuviel zu tun haben, um die Sache in ... err...Anspruch nehmen zu können. Es handelt sich um ...äh, den Dingsda-Workshop in Sydney, an dem ich eigentlich selbst teilnehmen wollte. Leider habe ich jetzt einen dringenden anderen Termin, den ich wahrnehmen muß, und ...
    äh....da habe ich gedacht..."
Sydney! Mein Wunschtraum! Ich muß sofort etwas unternehmen! Mit fliegenden Händen pipe ich den Kernel von Os Workstation mit voller Lautstärke auf seine Soundkarte. Glücklicherweise hat O kräftige Aktiv-Boxen an seiner Maschine angeschlossen. Der Lärm erreicht sogar hier in meinem Büro noch locker die Schmerzgrenze. Ich höre, wie ein Baßlautsprecher sich heulend verabschiedet. Macht nix.
Hauptsache, das Gespräch wurde unterbrochen.

Ich mische mich in den Tumult vor Os Bürotür und lotse den Chef unauffällig wieder in mein Büro. Nachdem ich das Gespräch wie zufällig auf Australien gebracht habe und mein Telefon nun beharrlich schweigt - ich habe zur Sicherheit den Stecker aus der Wand gerupft - werden wir uns rasch einig, daß ich der einzige geeignete Mann für diesen Workshop bin. Beide Parteien trennen sich in höchster Befriedigung.

Kaum ist der Chef gegangen, rufe ich mein Spezialreisebüro an und lasse den für mich gebuchten Linienflug nach Sydney gegen ein Pauschal-Arangement mit 1 Woche Luxushotel am Barrier-Riff austauschen. Selbstverständlich wird dies auf der offiziellen Rechnung nicht erwähnt - ich will ja der RKFH keine Gewissenskonflikte bereiten. Nach dieser Transaktion bleibt sogar noch eine beträchtliche Summe übrig, die wir brüderlich zwischen mir und dem Reisebüro aufteilen. Die zusätzliche Woche in Australien begründe ich mit wichtigen Laborbesuchen an verschiedenen Universitäten der Ostküste.

"Man muß die Dinge nicht nehmen wie sie sind",
hat unser Bastard Ausbilder immer betont,
"sondern wie sein sollten."

 
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