BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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BafH 48
 
T e i l  1 
 
 
TEIL 2
 
 
 
B.A.f.H.O. 1
 
Heute ist mein erster Arbeitstag auf dem Campus. 

Um einen guten Eindruck zu hinterlassen (der erste Eindruck ist bekanntlich der Entscheidende!) und um mich in die neue Situation einzustimmen, fruehstuecke ich lauwarmes Pepsi und microwaved Pizza, nachdem ich die ganze Nacht im 'Dark Sun' andere Spieler abgeschlachtet habe. 
Dann ziehe ich loechrige Jeans und das abgef....... T-Shirt an, das ich finden kann, schmiere mir die Reste der Pizza auf die Brust und fahre zum Campus. 

Gleich auf dem ersten Gang kommt mir ein absolut fertiger Typ entgegen. Bleich, schmuddelig mit fettigem Haar, Ringen unter den Augen und eingefallener Huehnerbrust. So schauen also die hiesigen Hacker aus, denke ich und hebe laessig gruessend die Hand. Dann erst merke ich, dass ich den Spiegel an Ende des Flurs gegruesst habe. 

Nach einigem Hin und Her (der Sicherheitsoffizier am Eingang wollte mich 'rausschmeissen, weil er mich fuer einen 'Homeless' hielt) finde ich ins Buero von Ginger, dem 'Human Resources Manager' des Instituts. Ginger ist eine angenehme 25-jaehrige Ueberraschung mit kupferroten kurzen Haarschopf und hinterlistig gruenen Augen. Sie ueberhaeuft mich zunaechst mit einen Riesenstapel an Formularen und Informationsmaterial, die ich alle laessig in die leere Pizzaschachtel schaufele. Schliesslich rennt hier jeder morgens (so gegen zwoelf) mit einer Pizzaschachtel 'rum und ich wollte nicht gleich am ersten Tag als Auslaender erkannt werden. 
Gerade als ich dezent vorschlagen will, ob Ginger mir nicht beim Ausfuellen des ganzen Papierkrams behilflich sein koennte - zum Beispiel heute abend in meinem neu angemieteten Penthouse - gerade in dem Moment haelt sie mir eine Broschure ueber 'Sexual Harrasment am Arbeitsplatz' unter die Nase. 

Dann fuehrt sie mich zu meinem Buero, beziehungsweise zu dem lichtlosen, quadratischen, grau ausgepinselten Wuerfel, was die hier so sinnig 'cubicle' nennen. Mein cubicle ist vollgestopft mit Rechnern bzw. Rechnerteilen, alten Manuals, vergammelten Zeitschriften und verstaubten Ethernet-Kabel-Trommeln. Auf dem Schreibtisch steht eine altersschwache Sparc2 und wimmert vor sich hin. Auf den ersten Blick sehe ich, dass essentielle Teile fuer ein erfolgreiches System- Management fehlen - z.B. ein TV mit VCR und ein Microwave. Ginger grinst spoettisch und laesst mich in den Chaos allein, das mein Vorgaenger - moege er im untersten Kreis schmoren! - mir hinterlassen hat. 

Als allererstes mache im einzigen Regal Platz fuer meine Pizza- Schachtel, indem ich die ganzen 'Internal Procedure Manuals' (das ist das unnoetige Zeug, wo genau drinsteht, wer wann und warum auf welchen Rechnern welche Rechte hat) in den Papierkorb werfe. Dabei faellt mir auf, das dieser angefuellt ist mit angeschimmelten Pizzastuecken. Die Putzfrau (falls es hier so was gibt) muss ich mir gleich morgen mal krallen... 

Prof. Icewater, meine neue Chefin steht ploetzlich hinter mir in der offenen Tuere und begruesst mich so kuehl wie ein antarktisches Walross. Waehrend des einleitenden chitchat mache eine geistige Notiz, dass sie auf weissen Turnschuhen daherzuschleichen pflegt. Also ist Vorsicht geboten! 

"Well, das ist also Ihr neues Reich", meint in einem Anflug von kaelteklirrender Herzlichkeit, der ihr gar nicht steht, und blickt sich in meinem cubicle um. "Jetzt haben wir nur noch ein klitzekleines Problem: ihr... aeh... Vorgaenger hat vergessen, das Root-Passwort zu hinterlassen. Und seitdem ... aeh..." 
Ich laechele nachsichtig. 
"Wo liegt da das Problem?" 
Prof. Icewater schaut mich zweifelnd an und verabschiedet sich. 

Ich setze mich an die Sparc2 und gebe ihr mit Stop-A den Todesstoss. Als sie schnaufend wieder hochkommt, gehe ich in den Single-User- Mode und unterbreche an der richtigen Stelle ein SUID-Skript. Dann setze ich das Rot-Passwort neu und scanne erstmal in aller Ruhe die Userverwaltung nach weiblichen Namen, um sie fuer die taegliche Usermail vorzumerken. Nachdem ich die heutige Usermail ueberflogen habe, loesche ich saemtliche System-Mailboxen, um die Mitarbeiter auf den neuen System-Manager aufmerksam zu machen. Anschliessend schicke ich eine mail an alle, in der alle Rechnerbenutzer hoeflich darauf aufmerksam gemacht werden, dass es in den naechsten Wochen wegen Umstrukturierung des Rechnersystems unter Umstaenden zu 'Unregelmaessigkeiten im Rechnerbetrieb' kommen kann. 

Die Netzverbindung zum Internet funktioniert und ist erstaunlich schnell. Ich logge mich mal kurz zuhause in D ein und lasse saemtliche Suns, auf denen User eingeloggt sind, neu booten. Nur damit die Kollegen zuhause nicht meinen, sie waeren mich los! 

Dann studiere ich die Broschure ueber 'Sexual Harrasment' (zu deutsch in etwa. 'Sexuelle Belaestigung'). Eine ziemlich gute Anleitung fuer Triebtaeter und alle, die es werden wollen. Vor allem ist darin genau beschrieben, was man alles NICHT machen darf. Z.B. Liftfahren: niemals mit einer Kollegin oder einen Kollegen ALLEIN in Lift fahren, wenn man keine Klage an den Hals bekommen moechte. Oder die Tuere zumachen, wenn man ein Meeting zu zweit hat. Oder Kollegen im Auto mitnehmen. Oder Pinup-Girls im Buero aufhaengen. Oder... die Liste ist erstaunlich umfassend! 
Fuer Studenten ist noch ein extra Formularblock angeheftet, auf denen sich Maennchen und Weibchen (oder auch andere Kombinationen; man ist ja schliesslich in San Francisco!) vor dem Beginn einer Romance gegenseitig durch Unterschrift bescheinigen koennen, dass es in beider Sinne geschieht. Oh Hoelle! 

Nachdem ich die Broschure gruendlich studiert habe, gehe ich zurueck in Gingers Buero und frage unschuldig, ob sie mir ein paar der Begriffe erklaeren koenne. Zum Beispiel 'space bubble', 'pinching', 'hazing', 'mooning', 'leering', usw. 
Ginger wird etwa dunkler im Gesicht, aber sie versucht tatsaechlich, es zu erklaeren (diese Amis sind einfach zu hilfsbereit!), und ich setze mein duemmstes Gesicht auf, Kategorie 'die blanke Leere' und verstehe gar nichts. Nach einigen vergeblichen verbalen Anlaeufen, schlage ich beilaeufig vor, sie solle es doch mit ein paar praktischen Demonstrationen versuchen. 
Ginger guckt mich mit ihren gruenen Augen pruefend an, dann grinst sie und schuettelt den Kopf: 
"Nice try!" 

Immerhin darf ich sie zum Abendessen einladen, zwecks Fortsetzung des Unterrichts... 

 
 
 
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