BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 11
 
Ich installiere gerade meine neueste Errungenschaft, eine echte mexikanische Haengematte, in meinem Buero, als Prof. Icewater an meiner Tuer vorbeikommt und voll die Bremsen anzieht.
Ihre eisgrauen Augen streichen missbilligend ueber das farbenpraechtige Muster der Haengematte und sie fragt mich mit vor Kaelte klirrender Stimme, ob irgendetwas nicht in Ordnung sei.
Ich mustere sorgfaeltig mein Buero, und versichere, dass im Gegenteil alles in bester Ordnung sei.
"Und was ist das hier?" haucht Prof. Icewater.
Bilde ich mir das nur ein, oder beschlagen sich ploetzlich meine Fensterscheiben? Muss mir unbedingt mal eines von diesen Infrarot-Fern-Thermometern bei den Physikern ausleihen...
"Das?" sage ich ueberrascht und betrachte erstaunt die Matte, die sich quer durch den Raum erstreckt. "Das ist eine Haengematte, HAeNGE-MATTE, Haenge wie Henker, Matte wie Mathematik. Haengematten bilden ein uraltes Kulturgut der seefahrenden Voelker, insbesondere des  Mittelmeerraums..."
"Lassen Sie den Quatsch!" faucht Icewater. Offensichtlich ist sie heute nicht in der allerbesten Stimmung. "Was hat das Ding hier zu suchen? Sie sind hier nicht zum Schlafen angestellt..."

Ich schalte um auf serioes-wissenschaftlich. "Natuerlich nicht", versichere ich ernst. "Es handelt sich um ein NSF-finanziertes Experiment. Ich habe mich freiwillig als Versuchsperson der NASA angeboten, und die haben mir postwendend diese Test-Haengematte geschickt. Es geht darum zu klaeren, ob man mit beeintraechtigtem Gleichgewichtssinn in der bemannten Raumfahrt genauso schnell und zuverlaessig tippen kann, wie auf festen Boden. Eine spezielle Software registriert automatisch, wie oft und welche
Tasten ich korrigiere, wenn ich in der Haengematte liege..."

Im allgemeinen sollte das genuegen. Worte wie 'NASA' und 'NSF' (National Science Foundation) lassen gewoehnlich jeden normal-sterblichen Wissenschaftler in Ehrfurcht erstarren. Aber Icewater ist ein ganz besonderer Fall - und ich weiss das! Bevor sie auf die Idee kommen kann, irgendwelche schriftlichen Unterlagen, Vertraege, etc. einsehen zu wollen, sage ich rasch:
"Am besten ich zeige Ihnen rasch die NASA-Web-Seite, wo das Projekt beschrieben wird."
Icewater ueberfliegt mit zusammengekniffenen Lippen rasch die geschmackvoll gestylte Seite mit dem NASA-Emblem auf meinem Display.
"Na schoen", gibt sie schliesslich zoegernd ihr Einverstaendnis, "aber ich moechte nicht hoeren, dass Ihr Arbeitseinsatz darunter leidet..."
Ich versichere ihr, dass das sicher nicht der Fall sein wird.

Von mir erfaehrt sie so etwas sowieso nicht; und falls irgendein Mitarbeiter es wagen sollte sich zu beschweren, dann hat er die erste Voraussetzung fuer seine allzu kurze Hochschulkarriere nicht kapiert:
'Never mess around with the system guys!'

Es ist uebrigens erstaunlich, welche Glaubwuerdigkeit Web-Seiten selbst bei misstrauischen Professoren geniessen - auch wenn sie von der Platte anstatt aus dem Netz geladen wurden!

Ich installiere einen zweiten Monitor unter der Decke und lege mich zur Probe in die Haengematte.  Als erste Fingeruebung blockiere ich bei allen Workstations (ausser meiner eigenen) alle eingehenden Netzpakete groesser als 1 KB. Das hat den komischen Effekt, dass die Web-Browser einen Server zwar kontaktieren und die Adresse der gewuenschten Page uebermitteln koennen, die Page aber leer zurueckkommt. Die lapidare Fehlermeldung des Browsers ist dann 'Document contains no data', und das kann einen echten Web-Surfer reif machen fuer die naechste Therapie.

Nach dieser Aufwaermphase bemerke ich, dass ich von der Haengematte aus nicht an meine Kuehlbox herankomme und behebe diesen Mangel sofort.

Um die Zeit bis zum Lunch zu ueberbruecken, lese ich die neuesten Online Hochschulmeldungen:
Ein Frischling, und zwar ein gewisser Howard Stale aus L.A., hat einen Professor der UCB auf 5 Mios verklagt, weil er sich durch die schlechte Note in der Abschlusspruefung 'stigmatisiert fuehle'. Bei solchen Prozessen hat der arme Professor normalerweise keine Chance, weil die Jurys in Berkeley in Analogie zur demoskopischen Verteilung zu 60 % aus Studenten bestehen.

Ich poke ein wenig in On-line Verzeichnis der Uni herum - und finde tatsaechlich die email Adresse des guten Howard! Der 'Stigmatiker' muss einen miesen Anwalt haben, sonst haette er laengst seine Daten loeschen lassen.

Im Verwaltungsrechner der Uni finde ich in der letzten Abrechnung von Howards Gym-Gebuehren seine Kreditkarten-Nummer. Ich gehe auf die Web-Seite eines hiesigen Hardware-Stores und bestelle unter seinem Namen fuenf solide Kettensaegen verschiedener Hersteller. Als Lieferadressen gebe ich das Buero des Professors und seines Anwalts an. Eine solche freundliche kleine Drohung bringt jeden noch so langweiligen Prozess in Schwung!

Nach kurzem Ueberlegen bestelle ich noch acht laufende Meter 4-Zoll- Balken, einen Zweipfundhammer und vier lange Zimmermannsnaegel, lasse das Zeug diesmal an den Studenten liefern und schicke eine Kopie der Rechnung an den Anwalt des Professors.
Wenn schon stigmatisiert, dann richtig!

Ginger kommt mit der Post an meinem Buero vorbei (wobei die Post mehr von ihren huebschen Beinen verdeckt, als ihr neuester Minirock) und sieht mich entspannt in der Haengematte liegen. Sie fragt mit
besorgter Stimme, ob es mir etwa nicht gut gehe.
Ich frage mit letzter Kraft, ob sie sich auf Mund-zu-Mund-Beatmung verstehe, aber sie grinst mich nur spoettisch an und stoeckelt hueftenschwingend den Gang hinunter. Wie kann man bei dieser ausgebufften kleinen Hexe bloss weiterkommen?

 
 
 
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