BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
nächstes 
Teil 13
 
T e i l  14
 
 
TEIL 15
 
 
 
B.A.f.H.O. 14
 
'PR', wie jeder weiss, steht fuer 'public relations' und ist neben der  esellschaftsdefinition-Nummer-Eins die wichtigste Sache im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten. (Gesellschaftsdefinition-Nummer-Eins in den USA - fuer alle, die es noch nicht wissen sollten - ist der einfache Satz: 'More Money!')

Alles, naja, fast alles wird der PR untergeordnet: Das Wetter, die ganze Politik und das Balzverhalten amerikanischer Maenner. Im engeren Sinne gibt es ausser der normalen Werbung auch noch so Dinge wie Anti-Werbung (in Deutschland verboten, also zerbrecht euch nicht den Kopf darueber), Imagepflege, Infomercials, Meta-Werbung und Meta-Meta-Werbung.

Anti-Werbung ist, wenn ein Mercedes E 500 unter der Last einer fuenfkoepfigen Familie mit zwei Hunden zusammenbricht, weil alle Familienmitglieder krankhaft uebergewichtig sind und der 500er in der hoechsten Ausstattung soviel Schnickschnack (amerikanisch: 'snigsnags') an Bord hat, dass nur noch 200 kg Zuladung moeglich sind. Andererseits dann der kleinste Mazda mit der gleichen Ladung mirakuloeserweise einen Kavaliersstart hinlegen kann.

Ein Infomercial ist eine verkappte Werbung, die subversiv so tut, als waere sie keine - also so ziemlich dasselbe wie bei uns die Stiftung Warentest.
Das ist in USA nicht besonders schwierig, weil gleichzeitig die Nachrichtensendungen sich alle Muehe geben, wie Werbung auszusehen. Man trifft sich also irgendwo im selben Info-Sumpf!
Ein prima Beispiel fuer ein Infomercial ist der folgende Text auf einer Milchtuete (Kommentare von mir in Klammern):

"What Makes a Dairy Cow Contented?
To a dairy cow, contentment means feeling comfortable, being healthy, and eating well... and Berkeley Farms Holstein cows (!) are among the most contented cows around!"
(Als gute Bayern wissen wir, dass das gelogen sein muss: nur bayerische Kuehe sind bekanntlich glueckliche Kuehe! Ausgenommen vielleicht noch die Milka-Kuh!)

"They live on the finest farms in Northern California, from the rolling Hills of Marin and Sonoma Counties to the lush San Joaqim Valley!"
(Marin liegt direkt am Pazifik und dort ist es normalerweise so windig, dass es eine Kuh von den Hufen hebt. Das San Joaqim Valley ist im Sommer eine einzige Wueste mit Temperaturen ueber 40 Grad!)

"Calves lucky enough to be born on the Berkeley Farms dairy farm are watched over by a special attendant for several weeks to make sure they get the best possible start in life."
(Der Zuechter entscheidet innerhalb der ersten 4 Wochen, ob das Vieh zur Milchkuh taugt oder gleich in Hamburger weiterverarbeitet wird.)

"After that time, Berkeley Farms cows have their own nutritionist, who make sure they continue to enjoy the best of health!"
(Zu deutsch: sie bekommen taeglich eine milchfoerdernde Hormonspritze verpasst!)

"Because Berkeley Farms' healthy, contented cows produce the best milk, Berkeley Farms delivers the freshest and best-tasting dairy products available anywhere!"
(Man beachte die absolut unaufdringliche Erwaehnung des Markennamens!)

Meta-Werbung ist, wenn die normale Werbung schon so abgedroschen ist, dass nur noch massive Eigenverarschung die Aufmerksamkeit des Beworbenen erregen kann. Beispiel: ein Fatty stopft so lange Fruehstuecksflocken in sich hinein, bis er platzt und die Umgebung im Umkreis von 300 Metern mit Milch, Flocken, Schleim und blutigen Fleischfetzen bepflastert.

Meta-Meta-Werbung geht noch einen Schritt weiter (oder zurueck) und ist gedacht fuer die Leute, denen die vorangegangene Meta-Werbung so an die Nieren gegangen ist, dass sie jede normale Werbung ohne Blut und Gemetzel als Labsal fuer die Seele betrachten. Meta-Meta-Werbung ist also genaugenommen nichts anderes als altmodische Werbung a la Klementine - nur geschieht es in innerhalb eines ganz anderen Paradigmas. (Bitte keine emails mehr: Was ist ein 'Paradigma'!).
Meta-Meta-Werbung ist zur Zeit bei den Werbeagenturen ganz besonders beliebt, weil man die alten Schinken der 60iger und 70iger Jahre aus den Archiven holen und neu vergolden kann...

Jedenfalls, weil PR hier so wichtig ist, kann auch der BAfH es nicht einfach so tolerieren, wenn hinter seinem Ruecken ueber die Qualitaet der Systemverwaltung gestaenkert wird!

Die betreffende Kollegin, Marcia, ist eine von der ganz vorsichtigen Sorte und hat fuer ihre Beschwerdemail an Prof. Icewater ein anonymes Mail-Relay in Finnland verwendet. Dummerweise hat sie nicht bedacht, dass auch jede ausgehende Mail zuerst mal im System gequeued wird und somit meinen speziellen Mail-Filter zugaenglich wird, das alle Mails, die meinen Namen enthalten, automatisch an mich abzweigt.
Unter anderem beschwert sie sich bei der Chefin darueber, dass mein Telefonanschluss entweder staendig belegt sei oder ich nicht 'rangehen und gleichzeitig nicht auf email reagieren wuerde. Ausserdem, so Marcia weiter, hielte ich mich nicht an die 'first-come-first-serve'-Methode, sondern wuerde gewisse namentlich nicht genannte Kolleginnen (sic!) ausser der Reihe bevorzugen!

Da hier in Berkeley offiziell immer noch die Meinung vertreten wird, dass email eine sichere Kommunikationsform (Lach!) sei, bei der die Privatsphaere uneingeschraenkt geschuetzt werde (Lach-Wieher!), kann ich mit der abgefangenen Mail nicht direkt gegen Marcia vorgehen.
Aber ich werde dafuer sorgen, dass sie meine Dienste in Zukunft besser zu schaetzen weiss...

Um die Lunchzeit albere ich mit Ginger im Flur herum und warte, bis Marcia ihr Buero verlaesst. Kaum ist sie weg, gehe ich an ihre Workstation und fahre mit dem Root-Passwort ihre X-Oberflaeche hoch. Ich mache rasch einen screen shot von der gesamten Oberflaeche und speichere ihn als ihr Hintergrundbild ab. Dann loesche ich alle Applikationen, die sonst beim Hochfahren gestartet werden und ersetze in allen Popup-Menus die Programm-Aufrufe durch Beeps.
(Koennt ihr mir noch folgen? Nein? Kann man nix machen..)

Keine halbe Stunde spaeter ruft sie an.
"Hallo", sage ich.
"Aehm... hi! Hier ist Marcia. Ich habe ein Problem mit..."
"Schicken Sie mir eine Email", unterbreche ich sie.
"Aber..."
"Ich habe strikte Anweisung bekommen, Anfragen nur noch in der Reihenfolge des Email-Eingangs zu bearbeiten", sage ich, lege auf und beginne zu zaehlen. Bei 5 klingelt es wieder.
"Hallo", sage ich.
"Aehm... ich kann keine email schicken, weil ich nicht in meine Maschine komme..."
"Koennen Sie sich nicht mehr einloggen?" frage ich scheinheilig.
"Doch, aber..."
"Dann gehen Sie an eine andere Maschine, loggen sich ein und schicken mir von dort eine ausfuehrliches Trouble-Ticket", sage ich und lege auf.
Sie braucht nur 3 Minuten, um herauszufinden, dass auch das nicht geht.
Das Telefon klingelt.
"Hallo", sage ich.
"Ich..."
Ich simuliere den gestressten, ueberarbeiteten System-Engel:
"Sie schon wieder! Ich habe gerade erst von der Chefin einen Anschiss bekommen, weil ich dauernd an der Strippe haenge, anstatt meine Trouble-Tickets zu bearbeiten. Ich habe keine Lust, mir noch einen
einzuhandeln!"

Das stimmt zwar nicht, weil ich Marcias Mail an Icewater selbstredend nach /dev/null kopiert habe, aber das kann sie ja nicht wissen.

Ein paar Sekunden ist es still in der Leitung.
Dann erklaert sie hastig, dass auch auf allen anderen Maschinen es nur piepst, wenn sie etwas auf ihrer Oberflaeche anklicken will.
"Na schoen", sage ich seufzend, "ausnahmsweise. Aber dass mir ja niemand davon erfaehrt, dass ich Sie vorgezogen habe..."
Sie versichert mir hastig, dass sie absolut verschwiegen sei. Die Reue trieft aus allen Vokalen.

Ich gehe in ihren Account und verwische rasch alle meine Spuren. Das kann man normalerweise ganz einfach und elegant mit dem Kommando 'rm -rf $HOME' erledigen (Das war ein TIP, Leute! Schreibt ihn euch auf!). Diesmal allerdings verzichte ich aus gewissen Gruenden darauf und loesche tatsaechlich nur, was noetig ist.

Dann sage ich:
"Hmm, tja. Sieht ganz so aus, als der Lunchy-Punchy-Virus wieder zugeschlagen haette..."
"Lunchy-Punchy?"
"Ja, Sie wissen schon... der neue Retro-Virus aus Transilvanien, der immer dann zuschlaegt, wenn zwischen 12 und 1 Uhr die Aktivitaet auf der Workstation nachlaesst..."
"Ach ja?" sagt sie tapfer, "davon habe ich auch schon gehoert..."

Logisch! Wenn man zu ihnen sagt 'Sie wissen schon...' koennen die Leute gar nicht mehr anders, als 'schon davon gehoert zu haben'!

"So, alles erledigt", sage ich. "Der Virus ist neutralisiert, und Sie sollten wieder normal arbeiten koennen."
"Ah! Danke!" sagt sie erleichtert und will schon auflegen. Aber so leicht lasse ich sie nicht vom Haken!
"Wissen Sie eigentlich, dass naechste Woche an der Uni die 'SysAdmin Awareness Week' stattfindet? Nach dem, was heute passiert ist, koennten Sie doch so freundlich sein, und bei der Festveranstaltung ein
paar nette Worte ueber den hervorragenden Service hier sagen...?"

Marcia schluckt hoerbar. Man hoert die Schweisstropfen auf die Sprechmuschel plaetschern. Schliesslich wuergt sie:
"Aber... aeh... ja, natuerlich... GERNE!"

Ich bin so ein Sadist!

 
 
 
Teil 13
 
 
TEIL 15