BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 16
 
Ich poke gerade im Arbeitsspeicher unserer ISDN-Anlage herum, als ploetzlich mein Telefon klingelt. Das aergert mich, denn eigentlich sollte das nicht mehr vorkommen. Irgendwo muss da noch ein BB ('bloeder bug') sein, so dass manche Verbindungen mysterioeserweise bis zu meinem Apparat vordringen koennen.

Urspruenglich wollte ich nur mal wieder Gingers Nebenstelle auf sich selber umlenken. Manchmal kommt sie dann zu mir, um sich technischen Beistand einzuholen, und dann koennte ich sie vielleicht zu
einem gemeinsamen Lunch ueberreden...

Jedenfalls klingelt jetzt mein Telefon, und weil ich zufaellig einen Arm frei habe, hebe ich ab.
"Hallo", sage ich.
Schweigen in der Leitung. Achselzuckend will ich  wieder auflegen, als doch noch was kommt:
"Aeh... hallo?"
"Das sagte ich bereits. Spielen wir das kleine Echo-Spiel?"
"Oh... aehm... entschuldigung", sagt er offensichtlich etwas verwirrt.
"Ich wundere mich nur, weil es eben noch besetzt war..."

Nanu? Also funktioniert die Besetzt-Sperre auf meiner Nebenstelle nur zeitweise? Muss mich unbedingt gleich als naechstes darum kuemmern. Schliesslich komme ich ja kaum noch zum Arbeiten, wenn das bloede Ding dauernd rasselt! (Hahaha! Das war ein Witz, Leute!)

"Ich habe ein Problem mit meinem Monitor", kommt er endlich zur Sache. "Er wird immer blasser, und ich kann kaum noch die Schrift lesen..."
"Hmm", sage ich, "sind Sie sicher, dass nicht einfach der Pixel-Toner zu Ende ist?"
"Aeh... was?"
"Wie alt ist denn der Monitor?" frage ich geduldig.
"Etwa zwei Jahre..."
"Na, sehen Sie! Eine Kartusche haelt normalerweise hoechstens ein Jahr. Sie hatten Glueck, dass der Monitor nicht schon frueher aufgegeben hat!"
"Aber..."
"Haben Sie denn noch eine volle Orginal-Kartusche da?"
"Was? Aeh... nein..."
"Hmm, tja. Ich habe leider auch keine mehr. Die letzte haben wir erst vorgestern eingetauscht. Und die naechste Lieferung kommt erst in etwa sechs Wochen..."

Falls er bis jetzt noch gelinde Zweifel an der Existenz von Pixel-Toner hatte, sind sie nunmehr garantiert ausgeraeumt: Wenn etwas eine lange Lieferfrist hat, ist das der sicherste Beweis dafuer, dass es auch existiert
!
(Man denke nur an Microsoft Produkte!)

Ich male einen Strich.

"Oh, Gott!" sagt er, und ich verziehe schmerzlich das Gesicht. Warum muessen die Leute immer dieses Wort benutzen! Wie wenn man mit dem Fingernagel ueber Styropor kratzt! Es kast mich schon wieder an! 
"Ich brauche aber doch meinen Rechner", jammert er weiter.
"Nanana, nur keine Panik", sage ich und wiege meinen Locher in der freien linken Hand. "Es gibt ja noch eine Alternativloesung. Im Gegensatz zum schwarzen Kopierer-Toner brauchen Monitore natuerlich
weissen Toner, denn der Schirm ist ja von Natur aus schon schwarz, nicht wahr?"
Das leuchtet ihm sofort ein. Logik ist immer gut fuer Erklaerungen! Ich male noch einen Strich.
"Zur Not kann man statt weissem Toner auch weisse Papierkonfettis verwenden", erklaere ich weiter. "Alles was Sie tun muessen, ist die Konfettis aus Ihrem Locher in die Toner-Schlitze oben auf Ihrem Monitor zu streuen. Haben Sie denn genuegend Konfetti? Sonst schicke ich rasch jemand hinueber..."
Er versichert mir eifrig, dass er ueber eine umfangreiche Menge an Konfetti verfuege.
"Gut", sage ich, "also alles oben in die Schlitze auf Ihrem Monitor stopfen. Soviel, wie nur eben reingeht! Und schalten Sie ja nicht den Monitor aus - sonst koennte es zu einem Toner-Stau kommen! Vor allem, weil Sie ja nicht den Orginal-Toner verwenden."
"Aehm... ok. Bleiben Sie kurz dran?"
Natuerlich bleibe ich dran! Ich werde doch nicht auf den Hauptspass verzichten! Waehrend ich warte, male wieder einen Strich.

HANTIER , SCHUeTTEL...

"Es riecht etwas komisch...", meint er.
"Ja, das kann sein", sage ich bedauernd. "Das liegt daran, weil die Konfetti etwas zu grob sind als Toner-Ersatz. Ist denn das Bild schon besser geworden?"
"Ich weiss nicht...", meint er zweifelnd.
Mal sehen, wie weit man den Burschen treiben kann!
"Sie koennen es noch besser hinkriegen, wenn Sie ein wenig TippEx- Verduenner hinterherschuetten. Das hilft bei der Desintegration der Konfetti..."
Ich haette auch 'Aufloesung' sagen koennen. Aber wenn ich eines von StarTrek gelernt habe, ist es, dass 'Desintegration' viel ueberzeugender klingt!
"Oh? Ok..."

TRÖPFEL, TRÖPFEL... KA-FIZZZ!!!

Waehrenddessen male ich noch einen Strich.

"Komisch! Jetzt ist das Bild ganz weg." Seine Stimme klingt ratlos.
"Merkwuerdig", sage ich ebenso ratlos, "das ist eigentlich sonst eine todsichere Methode. Hmm... haben Sie vielleicht eine brennende Neonroehre im Raum?"
"Ja, warum?"
"Na, dann ist ja alles klar: positive Ionen! Ihr Buero muss ja voll davon sein, wenn es den Schirm so blass macht! Wussten Sie denn nicht, dass die modernen Schirme keine Leuchtstoffroehren vertragen?"
"Aeh... doch... ich glaube, davon habe ich schon gehoert..."

Ich male einen langen Querstrich durch die vier anderen.

"Sie muessen unbedingt verhindern, dass an der anodisierten Kathode soviele positive Stickstoff-Ionen entstehen. Haben Sie ein wenig Alufolie da? Und einen langen isolierten Draht?"
"Aeh... ich glaube schon... ist Klingeldraht ok?"
"Perfekt! Wir bekommen das schon noch hin. Sie schalten jetzt als allererstes aus Sicherheitsgruenden das Licht aus. Dann drehen Sie die Neonroehre heraus und umwickeln das noerdliche Ende gut mit Alufolie, vor allem die Elektroden, die am Ende herausstehen. Da entstehen naemlich die schaedliche Ionen. Dann entfernen Sie ein Stueck Isolierung und wickeln das Ende des Drahtes fest um die Alufolie. Haben Sie das?"
Er arbeitet wie ein Besessener, und ich mache einen neuen Strich.
"Jetzt drehen Sie die Roehre wieder in ihren Sockel; aber noch nicht einschalten, ok? Die positiven Stickstoff-Ionen werden jetzt durch den Draht abgeleitet und muessen sicher entsorgt werden. Stickstoff ist in Duenger enthalten. Deshalb ist es das beste, wenn Sie das andere Ende in einen Blumentopf stecken. Dort werden die Ionen sogar sinnvoll verwertet. Haben Sie einen Blumentopf in Ihrem Buero?"
Er sagt, dass er keinen habe, aber seine Sekretaerin habe viele. Er werde einen holen. Waehrend er mit seiner Tussi verhandelt, mache ich noch einen Strich.
"Ok", meldet er sich wieder mit eifriger Stimme. "Das andere Ende des Drahtes steckt im Topf..."
Eines muss man ihm lassen: Der Mann ist voll bei der Sache! 
"Ist die Pflanze auch gut gegossen?" frage ich besorgt, und er versichert mir stolz, dass er auch schon daran gedacht habe und das Ding gerade nochmal mit Wasser getraenkt habe.
"Von wegen der besseren Leitfaehigkeit", fuegt er noch laessig hinzu, und ich male noch zwei Striche.
"Dann koennen Sie jetzt das Licht wieder einschalten", sage ich.
"Gratulation! Sie haben von jetzt an ein garantiert ionenfreies Buero..."

KA-FFFFAAATZZZZZZZZ!!!!!

Da das Telefon keinen Muckser mehr von sich gibt, lege ich auf. Dann betrachte ich stolz das Blatt Papier vor mir. So einen kapitalen Neun-Ender sieht man nicht alle Tage...

 
 
 
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