BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 17
 
Ich sitze gerade mit meinem Taschenrechner auf dem Klo und berechne, was so eine durchschnittliche Sitzung meinen Arbeitgeber kostet, als ploetzlich mein Pager losheult. 
In Deutschland sind wir ja irgendwie (ja, wie eigentlich?) von dieser Plage verschont geblieben (dafuer haben wir die galoppierende Handy-Seuche!). Aber hier an der Westkueste gilt der Pager nach wie vor als unersetzliches sekundaeres Geschlechtsmerkmal: ein Mann ist kein Mann ohne seinen Pager am Guertel! 
Ein klingelndes Telefon ist schon in den meisten Faellen 'bad news', aber ein jaulender Pager noch viel mehr. Wenn jemand so dringend mit dir sprechen will, dass er deinen Pager ausloest... Junge, dann ist es 
bestimmt nicht Michelle Pfeiffer, die einen 'date' mit dir haben will! 

Ich kaeme ja nie auf die abstruse Idee so ein Ding mit mir herumzuschleppen (hoechstens einen ohne Batterien, um die Chicks zu beeindrucken), aber hier an der Uni MUSS jeder SysOps mit so einem 
Laermwecker herumlaufen. 

Ohne auf das Display zu gucken, entsorge ich den heulenden Pager auf die mir uebliche Weise und spuele sicherheitshalber zweimal nach. Das Piepsen wird rasch leiser, waehrend das Ding zur Hoelle (sprich zur 
Klaeranlage) faehrt. 

Befriedigt nehme ich meine Kalkulationen wieder auf. Eine durchschnittliche Sitzung mit Zeitung kommt auf... $ 6,34 und zweidrittel Cents. 
Missmutig gucke ich auf das senfgelbe Display. Viel zu wenig! Seit der Hop-Heads-Party gestern herrscht Ebbe in meiner Kasse und es sind noch vier Tage bis zum naechsten Paycheck! 

Ich gehe zurueck in mein Buero und browse durch die Personaldatei in Verwaltungscomputer unserer Buchhaltung. Wer koennte noch was von seinem letzten Paycheck uebrighaben? Nach kurzem Ueberlegen waehle  ich zwei Kollegen aus, die foerdernde Mitglieder bei Greenpeace sind und sich in ihren CVs als 'umweltbewusst' einstufen. Ich fahre bei beiden (einer ist auch noch als Abstinenzler verschrien) die Workstations in den Single-User-Modus herunter und sende als Broadcast die folgende Message auf die Konsolen: 

"CPU panic: device /dev/null is full 
Have electrons recycled properly before resuming work" 

Dann lege ich die Hand auf den Telefonhoerer; nach zehn Sekunden laeutet es: 
"Ist dort die SysOps? Auf meiner Konsole..." 
"Ist bekannt! Wir arbeiten daran!" schnappe ich und knalle den Hoerer auf die Gabel. Im allgemeinen sind die User viel zugaenglicher, wenn man sie erst einmal schmoren laesst. Ich schalte den VCR ein und gucke mir den letzten 're-run' der Simpsons an. 
Siebzehn Minuten spaeter laeutet es wieder. Er ist es wieder (der andere scheint nicht in seinem Buero zu sein oder er schlaeft wie ueblich). 
"Mein Workstation ist immer noch nicht hochgekommen", beschwert er sich indigniert. 
"Stimmt", sage ich, "und sie wird auch nicht wieder hochkommen, bis wir die ganzen Elektronen in Ihrem Null-Device entsorgt haben... 
Genaugenommen sind die schon eineinhalb Monate ueberfaellig. 
Eigentlich ist das schon eine Ordnungswidrigkeit..." 

Kurze Pause. Ich hoere, wie nacheinander 1.560.000 Neuronen zugeschaltet werden. Dann: 
"Aeh... koennen Sie das noch einmal...?" 
Ich seufze hoerbar. 
"Lesen Sie denn nie die Zeitung?" frage ich genervt. 
"Also..." 
"Sie haben offensichtlich als einziger an der Uni noch nicht mitbekommen, dass nach der letzten Gesetzesinitiative 456 von Governer Wilson in Kalifornien ab sofort alle EDV-basierten Elektronen aus Umweltschutzgruenden kontrolliert entsorgt werden muessen."
"Oh, aber..."
"Frueher durften wir alles, was nach /dev/null kopiert wurde, also praktisch alle Loeschvorgaenge, einfach im Luefter verbraten. Seit Anfang des Jahres geht das nicht mehr; jedenfalls nicht in Kalifornien! Sie sind wahrscheinlich von der Ostkueste, was?"
"Aeh, nein... aeh... ich..."
"Hier bei uns werden die Elektronen jedenfalls im sogenannten G-RAM (Gather RAM) gesammelt und muessen von Zeit zu Zeit entsorgt werden."

In jedem anderen Staat der USA wuerde der Bursche jetzt einen verschaerften Lachanfall zweiten Grades bekommen - aber nicht in Kalifornien. Hier an der Westkueste haben wir die schaerfsten
Abgasgesetze der Welt. Die ASU-Messgeraete sind ueber das Internet direkt mit dem 'Department of Motor Vehicles' verbunden, damit niemand beim Testen bescheissen kann. Sogar das Benzin verbrennt (angeblich) sauberer als anderswo.
Saemtliche Produkte des taeglichen Bedarfs sind 'Natural', 'High in Fiber' oder 'Bio Degradable', sonst lassen sie sich eh nicht verkaufen.
Alternativ haben sie ein 'Valley' im Produktnamen ("Gold Valley Dairy", "Happy Valley Software", "Missiles from the Valley", "Valley Plutonium Inc.", etc.).
Das Kuehlmittel 'Freon', das hierzulande tonnenweise in Klimaanlagen verwendet wird, ist mit so hohen Ozon-Schicht-Steuern belastet, dass ein Leck im Kuehlkreislauf den Wert deines Autos in Null-Komma-Nix auf Null schrumpfen laesst (wobei niemand so genau erklaeren kann, wie diese Steuer der Ozonschicht zugute kommen soll, wenn damit Wahlkampf-Kampagnen finanziert werden!).
Das Ausspucken eines Kaugummis in San Francisco kann bis zu $2000 kosten und Pinkeln in der Oeffentlichkeit ist eine schwere Straftat.
Die Firmen in der Bay Area verwenden nur noch graeulich-graues Recycle-Papier und blasse Sojabohnen-Tinte in ihren Bueros (kein Scheiss!), und in den Nationalparks ist man angehalten, doch bitte die Zahnpasta beim Zaehneputzen herunterzuschlucken, damit ja nichts in die heilige Umwelt gelangt!
Nach der 'No Fat'-, 'Low in Colesterol'- und 'Sodium Free'-Aera befinden befinden wir uns derzeit mitten in der 'Organic'-Welle - und das 'Bio Dynamic Movement' zeigt sich schon am Horizont!
Jeden Monat einmal (am letzten Freitag) wird die Innenstadt von San Francisco durch Zigtausende von RRs (Radikale Radler) lahmgelegt, die sich erbitterte Platzkaempfe mit den motorisierten
Verkehrsteilnehmern liefern.

Eines muss man den Kaliforniern lassen: Wenn sie etwas anpacken, dann sind sie gruendlich! (In dieser Hinsicht aehneln sie eigentlich mehr den Deutschen als den anderen Durchschnitts-Amerikanern.)

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der Greenpeace-Abstinenzler nur ein fuerchterlich schlechtes Gewissen wegen der ganzen umweltschaedlichen Elektronen in seinem G-RAM hat, anstatt mir ins Gesicht zu lachen.

"Oh", stammelt er betroffen. "Jesus! Ja, was machen wir denn da..."
Ich bringe ihm behutsam bei, dass ich, obwohl meine Task-List schon fast bis in den Keller reicht, kurz 'runterkommen und seine ganzen Elektronen mit einen G-RAM-BRVD (G-RAM-Bit-Recycling-Vakuum-Device) entsorgen koennte. Allerdings betrage die Gebuehr zur Zeit 24 Cents per Kilobyte...
Erleichtert greift er nach dem rettenden Strohhalm - und rueckt sogar ohne zu zoegern mit seiner Kreditkarten-Nummer 'raus! So ein Sucker!

Wenige Minuten (und ein bisschen Fummeln mit einem alten SCSI- Terminator) spaeter sind meine finanziellen Probleme bis zum naechsten Monatsende erstmal vom Tisch...

Meine Stimmung steigt  auf Super-Platinum-Plus mit fuenf Sternen! Wie immer, wenn ich glaenzender Laune bin, starte ich mein Skript 'Russian Roulette', das zehn 'Ping of Deaths' an zehn zufaellig ausgewaehlte Windoofs-Rechner am Campus verschickt.
(Falls jemand von euch Windoofs-User ist und nicht wissen sollte, was ein 'Ping of Death' ist, soll er mir mal seine IP-Adresse schicken...)
Dann aendere ich noch rasch die Aufzug-Steuerung in unserem Gebaeude, so dass der Fahrstuhl immer ein Stockwerk zu hoch oder zu niedrig anhaelt, und gehe gemuetlich ueber den Notausgang nach Hause.

 
 
 
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