BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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T e i l  19
 
 
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B.A.f.H.O. 19
 
Seit zehn Minuten kreise ich mit meinem mintgruenen Ford Mustang auf den Parkdeck und finde keine Luecke. Es ist elf Uhr und die Sonne brennt mir unbarmherzig ins Gesicht. Warum muessen diese verd...... Studenten schon so frueh im Institut sein?! Wenn ich dann komme, ist natuerlich nicht mal mehr Platz fuer eine motorisierte Sardinenbuechse, geschweige denn mein mintgruenes Schlachtschiff!
Ich stelle mich ins absolute Halteverbot, haue den Warnblinker rein und renne hinauf in mein Buero. Rasch hacke ich einen Broadcast in meinen Rechner:

'An alle Labs!
Das CS Department hat sich entschlossen, seine veralteten DEC Alpha Maschinen zu erneuern. Ausrangierte DEC Alphas werden derzeit fuer eine 'flat rate' von $ 199 am Ausgang B7 von CS Gebaeude abgegeben.
Nur an Studenten mit gueltigem CS Ausweis und Photo ID. First come, first serve!'

Dann warte ich eine Minute und sende folgendes hinterher:

'Die vorherige Meldung bezog sich auf die University of Washawonga in Montana, NICHT auf die University of Berkeley!'

Als ich wieder aufs Parkdeck hinunterkomme, ist es praktisch leer. Einige Nachzuegler rasen gerade mit kreischenden Reifen die Exit-Rampe hinunter.

Endlich himmlische Ruhe! Ich verbringe einige glueckliche Minuten mit der Home-Page des Instituts. Ein kleines Java-Script im Header fordert alle paar Sekunden ein paar Kilobyte Speicher an - ohne sie wieder freizugeben. Jeder Browser, der auf unseren Seiten herumlungert, wird mit der Zeit immer groesser, bis er schliesslich (hoffentlich) den Rechner des Users zum Abstuerzen bringt. Eine todsichere Methode, um eine Ueberlastung unseres Servers von vorne herein auszuschliessen!

Dann wird die Idylle vom Telefon unterbrochen. An der Caller-ID sehe ich, dass es die Chefin ist.

"Hallo?"
"Leisch!" weht es eiskalt aus der Hoermuschel, und ich schalte lieber den Lautsprecher ein und lege den Hoerer moeglichst weit weg. Einmal hatte ich nach einem zehnminuetigen Telefongespraech mit der Chefin drei Tage Ohrenreissen. "Leisch, wissen Sie, wo die ganzen Studenten stecken?"
"In Washawonga", antworte ich wahrheitsgemaess.
"Machen Sie keine Witze!" faucht Prof. Icewater. Ich beobachte fasziniert, wie sich auf den Plastikrippen der Lautsprecherabdeckung grosse, blaue Eiskristalle bilden. "Wieso ist kein Mensch im Gebaeude? Auch die Mitarbeiter sind alle verschwunden..."
"Verzeihung", sage ich und mime baffes Erstaunen, "ich dachte, Sie machten nur einen Scherz. Haben Sie denn die Erdbebenwarnung vorhin nicht mitbekommen? Innerhalb der naechsten drei Stunden, Staerke 6 plus auf der 'Hayward Fold', alle oeffentlichen Gebaeude muessen evakuiert werden."

Die Chefin braucht nur zweieinhalb Sekunden, um zielsicher die Schwachstelle in meiner Aussage aufzuspueren. Deshalb ist sie ja schliesslich auch die Chefin und nicht die Aushilfe in der Cafeteria,
nicht wahr?

(Disclaimer: Die vorangegangene Aussage ist in keiner Weise, weder indirekt noch intentional, in der Weise zu interpretieren, dass weibliche Cafeteria-Aushilfskraefte in irgendeiner nur denklichen oder
annehmbaren Disposition als minderwertiger oder sonstwie benachteiligt gegenueber weiblichen Hochschulprofessoren anzusehen sind. Ende des Disclaimers.)

"Wie kommt es dann, dass SIE noch in Ihrem Buero sind?" Ein kleiner glitzernder Eiszapfen beginnt an der Telefonleitung zu spriessen. 
Ich sage:
"Ich habe meinen Anschluss auf mein Handy umgeleitet, damit wenigstens einer im Institut erreichbar bleibt.... Ich will Sie ja nicht draengen, aber ich glaube, Sie sollten jetzt wirklich..."
"Ok", faucht Prof. Icewater und haengt auf. Wenige Sekunden spaeter hoere ich ihre eisklirrenden Schritte im Treppenhaus.

Die Sache beginnt mir Spass zu machen. Ich schaue nach, ob noch ein paar Workstations aktiv sind, und schicke einen entsprechenden Broadcast auf die Konsolen. Mehr oder weniger das gleiche, was ich der Chefin verklickert hatte. Dann gehe ich ins Labor hinueber und lasse ein paar Kartons mit altem Rechnerschrott vom Tisch fallen. Das alte Pappe- und Sperrholz-Gebaeude zittert. Ein paar Minuten spaeter ist es absolut still im Gebaeude.

Ich bastele in aller Ruhe noch eine kleine Random-Funktion in die Home-Page, die alle paar Minuten ein kryptisches Java-Script-Alert ausloest. Es behauptet mehr oder weniger deutlich, dass der jeweilige Net-Browser des Users eine Ansammlung von verfucktem Spaghetti-Code sei und er besser diesen heiligen Server verlassen solle.

Zufrieden mit dem Ergebnis aktiviere ich meine Voice-Clock.
"Ahhh quahhhrtahhh to twelffff ahhhh", stoehnt es lustvoll aus den Lautsprechern. Naja, vielleicht ein bisschen zuviel Schlafzimmer-Effekt dabei! Muss das bei Gelegenheit mal korrigieren. Aber jetzt ist Lunch-Time; und ich werde doch nicht meine wertvolle Mittagspause mit ernsthafter Arbeit vergeuden!

Die Pfoertnerloge im Erdgeschoss ist so leer wie eine Autobahn waehrend einem Fussball-Laenderspiel. Vielleicht braucht unser Pfoertner auch eine DEC Alpha? Ich gehe hinaus auf die Strasse. Kein Schwein weit und breit, keine bloekenden Autos, die sich an den Ampeln draengeln, keine qualmenden Busse, nicht mal die Penner liegen an ihren ueblichen Plaetzen und groehlen. Ich gehe hinueber zu meiner angestammten Sandwich-Bude. 'Der Umstaende halber  geschlossen' steht hastig hingekritzelt auf einem Zettel hinter der Scheibe. Ich will gerade weiter zu 'Blondie's Pizza' gehen, als hinter mir mit quietschenden Reifen ein schwarzweisser Polizeiwagen haelt. Der Cop kurbelt hastig das Fenster herunter:
"Was machen Sie hier?!" fragt er unfreundlich.
Von den Cops bin ich hier ja schon einiges gewoehnt; also wundere ich mich weiter. Einmal hat mich einer auf offener Strasse angehalten und gefragt, wo ich meinen Pullover gekauft haette und ob ich noch den Kaufbeleg vorweisen koenne. Man kann den Cops erzaehlen, was man will, aber niemals ploetzliche Bewegungen machen. Sonst hat man schneller die Pfoten in Eisen, als man 'Piep' sagen kann.

Ich erklaere also ganz ruhig, dass ich auf der Suche nach einem kleinen, bescheidenen Sandwich sei, dass ich durchaus in der Lage und willens sei, eben dieses Sandwich auch zu bezahlen und ob er meine Social Security Card, meine Driver Licence, meine Mitgliedskarte im 'Platinum Gym' oder vielleicht meinen Passport sehen moechte. 
Der Cop starrt mich unglaeubig an:
"Mann, haben Sie nicht mitbekommen, dass die Stadt evakuiert wurde! Mann, schauen sie, dass Sie Ihren Arsch hier herausbekommen, sonst nehme ich Sie hopp wegen Nicht-Befolgung oeffentlicher Anordnungen im Katastrophenfall!"

Ich blinzele zweimal, bevor ich kapiere. Dann versichere ich, dass ich schon auf den Weg sei, und er duest um die naechste Strassenecke.

Ich schleiche zurueck ins Buero und loesche sicherheitshalber saemtliche Netzwerk-Logs. Dann fahre ich mit meinem Mustang nach Hause.

Wer bin ich, dass ich Anordnungen der Polizei in Frage stellen wuerde?

 
 
 
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