BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 2
 
Das wichtigste in einem neuen Job ist herauszufinden, wer das Geld fuer Anschaffungen verwaltet (schreibt euch das folgende besser auf, Leute! Ihr werdet es irgendwann mal brauchen!). Nicht wer das Geld 
HAT, sondern wer es VERWALTET ist entscheidend. Und am einfachsten ist es, unbekuemmert etwas zu kaufen, dann kommen die verantwortlichen Leute von selber an und man muss nicht lange nach 
ihnen suchen. 

Also nehme ich die Yellow Pages und suche einen Laden, der Workstations liefert. Fuer laecherliche 7 Riesen bestelle ich nach kurzem Verhandeln eine Sun Ultra II mit 20 Zoll Farbdisplay und deutscher 
Tastatur, Spy-Camera und noch einigem Schnickschnack (zu englisch: knickknacks). 

Die Schachtel wird noch am selbem Tag geliefert, und ich entlasse die alte schnaufende Sparc2 offiziell aus ihren Diensten. Einen gluecklichen Nachmittag lang bin ich beschaeftigt, alle meine Tools und Games von 
D auf die neue Ultra zu portieren. Nebenbei drangsaliere ich ein paar uebereifrige PhD-Studenten, die im PC-Lab ihre Thesis zusammenhacken. So ein paar Abstuerze zwischendurch lockern doch 
gleich die verkrampfte Deadline-Atmosphaere. 

Ploetzlich steht ER in der Tuere. Ich sehe am monetaeren Glitzern in seinen kleinen Schweinsaeuglein, dass ER es sein muss: der Financial Director from Heaven (FDfH). In der zitternden Linken haelt er die 
Rechnung meiner neuen Ultra; mit der Rechten rueckt er nervoes an seiner Buchhalterbrille mit Stahlbuegeln. 
"Hi" sagt er neutral zur Begruessung und taxiert finster die glaenzende Sun Ultra auf meinem Schreibtisch. Dann taxiert er mich und versucht herauszufinden, ob ich gefaehrlich sein koennte oder ob er mich am 
besten gleich mit einem gewaltigen Tritt zerquetschen sollte wie eine vorwitzige Kakerlake, die ihre sichere Deckung unter der Spuelmaschine aufgegeben hat. Er entscheidet sich fuer die Kakerlaken-Methode, stellt 
sich auf die Zehenspitzen, holt tief Luft und sagt: 
"SIE!" (es ist ein bisschen schwierig, jeweils die richtige deutsche Anrede fuer die Uebersetzung auszuwaehlen. Das englische 'You' kann bekanntlich beides sein: Hoefliche Distanz oder engste Fraternisierung. In diesem Falle bin ich mir ziemlich sicher, dass der FDfH 'Sie' meint, wenn er 'YOU' sagt; er spricht quasi in Grossbuchstaben!) "SIE haben fuer $ 7.242,65 eine Sun Ultra II mit", er blaetterte frenetisch in der Rechnung, "mit einem 20 Zoll Farbdisplay und Spezial-Tastatur, etc. etc. bestellt?!" 
Ich bestaetige freundlich, dass dem so sei, und frage hoeflich, mit wem ich die Ehre habe. 
"Ich bin Harold McGain,der Financial Director dieses Instituts", sagt er gewichtig und schiebt den Spitzbauch vor. "Sie koennen unmoeglich einfach..." 
"Ah! Der User 'mcgain'", unterbreche ich ihn und raschele in meinen Papieren. "Freut mich wirklich, Sie kennenzulernen! Der einzige User am Institut, der regelmaessig 'alt.sexual.stockings.and.leather_belts' und 'alt.sexual.perverse.in.negliglee' konsultiert. Mal im Vertrauen: ein ziemlich ausgefallener Geschmack, finden Sie nicht?" 
Seine braunen Froschaugen drohen auf meinen Teppich zu fallen; er schnappt erst nach Luft, dann laesst er Dampf ab wie ein angestochenes Kaesesouffle. 
"Das.. das... wie... woher wissen Sie...", stottert er. 
"Well, Sie wissen doch", ich streichele zaertlich die Ultra, "es ist alles da drin... Wissen Sie was? Das ist doch alles gar kein Problem. Es braucht ja niemand zu erfahren, nicht wahr? Alles was Sie brauchen, ist doch nur eine vernuenftige Erklaerung, wie Sie die Ausgaben vor dem Financial Committee rechtfertigen koennen, was?" 
Er nickt schwach und laesst sich in den Besuchersessel fallen, den ich aus der Eingangs-Lobby geklaut habe. 
"Na, dann ist doch alles beste Bohne: ich liefere Ihnen schon die noetigen Begruendungen!" 
Der FDfH hebt muede den Arm und deutet auf die leise schnurrende Ultra. 
"Und was ist damit?" fragt er weinerlich. 
"Deutsche Tastatur!" sage ich trocken. 
"Was?" 
"Schreiben Sie als Begruendung: war die einzige erhaeltliche Workstation mit optionaler deutscher Tastatur." 
"Aber..." 
"Schreiben Sie einfach: der Mitarbeiter (also ich) droht mit Klage gegen die Leitung der Universitaet wegen Diskriminierung von deutschen Minderheiten, wenn er nicht eine deutsche Tastatur erhaelt. Und Sun war die einzige Firma in der Bay Area, die eine deutsche Tastatur auf Lager hatte." 

Tja, ich habe meine Hausaufgaben gelernt. Das Woertchen 'Diskriminierung' bringt sie hier alle auf Trab. Nicht ist besser, als im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten einer Minderheit anzugehoeren. 
Zum Beispiel beim Busfahren: Alle Plaetze sind besetzt mit alten Muetterchen, stillenden Muettern und einbeinigen WWI-Veteranen. Aber wehe es taucht jemand aus einer Minderheit auf! Da hopsen die Omas wie die Schachtelteufelchen. Aber holla! Schliesslich will man ja nicht auf seine alten Tage noch wegen rassistischer Diskriminierung eines Deutschen verklagt werden... 
 
Irgendwie gefaellt es mir ganz gut hier... 

 
 
 
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