BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                    von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 21
 
 Der Aufzug in unserem Gebaeude ist ein hervorragendes Beispiel fuer die typisch amerikanische Megalomanie. Alles, wirklich ALLES hier ist krankhaft uebertrieben groesser gegenueber dem Rest der Welt: die Baeume, die Chips-Tueten, die Autos, die Freeways, Hamburger und Drinks, Blumen, Dauerlutscher, Huete, Sonnenbrillen, Flughaefen, Klopapierpackungen, Fruehstuecksportionen, Kinos und natuerlich auch die Menschen (besonders gewisse paarweise angeordnete, weibliche, sekundaere Geschlechtsmerkmale!). 
Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Aufzug eher einem Ballsaal gleicht als einem beweglichen Kaefig zur Personenbefoerderung. 

Ich poke ein bisschen in der Steuerungs-Software herum, bis das Ding zwischen jedem Stockwerk eine Pause von 30 Sekunden einlegt (was unsere Klaustrophobiker auf 180 bringt); dann besorge ich mir beim Chinesen nebenan einen thailaendischen Nudelsalat und warte bis die Leute vom Lunch zurueckkommen. Thailaendischer Nudelsalat schmeckt ausgezeichnet, aber die Optik ist nicht gerade das, was man als 'appetitanregend' bezeichnen wuerde.Er schaut eher aus wie... naja wie... sagen wir mal, wie ein etwas fehlgeleitetes Verdauungsprodukt. 

Ich fuelle den Salat in eine durchsichtige Plastiktuete und stecke die Tuete in meine Jackentasche. Dann pferche ich mich zusammen mit 67 anderen lunch-gesaettigten Angestellten in den Aufzug, und die Ballsaal-Aufzugskabine beginnt ihre langsame und schaukelnde Fahrt nach oben. 
Ein paar techno-versierte Mitarbeiter druecken ungeduldig auf ein paar Knoepfe, als der Fahrstuhl das erste Mal steckenbleibt, aber sie geben's bald wieder auf. 

Nach dem ersten Stockwerk lockere ich unauffaellig meinen Hemdkragen und wische nicht vorhandenen Schweiss von meiner bleichen Hacker-Stirne. 

Nach dem zweiten Stockwerk gebe ich unterdrueckte Wuergelaute von mir, schlucke angestrengt und blicke mich verzweifelt um. Den mir zunaechst stehenden Fahrgaesten schwant Uebles und sie versuchen aus der drohenden Schusslinie zu kommen; aber der Aufzug ist immer noch zu dicht gepackt. 

Nach dem dritten Stockwerk draenge ich mich rigoros in die naechste Ecke, reisse die Tuete mit thailaendischem Nudelsalat aus der Jackentasche und beuge mich wuergend und krampfgeschuettelt darueber. Als ich wieder aufblicke, sehe ich erschoepft die vielen mitleidigen und mitfuehlenden Gesichter meiner Mitreisenden. 

Nach dem vierten Stock verwandelt sich das allgemeine Mitgefuehl in blankes Entsetzen, als ich eine Plastikgabel aus der Tasche ziehe und beginne, mit Genuss den thailaendischen Nudelsalat aus der Tuete zu essen. 

Ab dem fuenften Stock muss ICH schauen, dass ich aus den vielen Schusslinien komme... 

Schaetze, der Aufzug ist mal wieder reif fuer eine gruendliche Generalueberholung; ein neuer Teppichbelag koennte auch nicht schaden... 

Nach dieser netten kleinen Einlage gehe ich beschwingt in Gingers Buero und versuche zum fuenfhundertfuenfundfuenzigsten Mal, sie zu einem Abendessen zu ueberreden. Ginger streift mich mit ihrem typischen unterkuehlten Blick und gibt ihre Standardantwort, sie sei 'single', aber nicht 'desperate'. Dann fragt sie, was ich da Scheussliches in der Plastiktuete habe. 

Ich erklaere laessig, dass ich soeben ein wichtiges und hochinteressantes sozio-dynamisches Psycho-Assoziations-Experiment unter vertikal-kinetischen Bedingungen durchgefuehrt habe und dass diese Plastiktuete das entscheidende gastro-eruptive Provokations-Corpus darstelle. 

Ginger guckt mich mit ihren kuehlen blauen Augen an und verzieht kaum merklich den linken Mundwinkel nach unten. Irgendwie kommt mir diese Geste verdammt bekannt vor, aber woher? Dann meint sie, dass auch sie sich wahnsinnig fuer gastro-eruptive Provokations-Experimente 
interessieren wuerde, und ob wir nicht zusammen heute abend im Cable Car nach North Beach fahren wollten... 

 
 
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