BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                    von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 22
 
Ich sitze in meinem Buero und lecke meine Wunden. 
Nein, wirklich! Nicht nur im uebertragenen Sinne! Kaum zu glauben, wie schwer es ist, mit der Zunge an die Fusssohlen zu kommen... 

Spass beiseite! Ich habe mich von unseren Super-Sportler Ron ueberreden lassen, ihn uebers Wochenende auf eine 'Backpack-Tour' zu begleiten. 
Nachdem wir uns 6-einhalb Stunden lang mit Rons uralten Pickup durch diverse Staus und sonnendurchgluehte Wuestenlandschaften gewuehlt haben, stellt sich heraus dass 'Packpack' nicht etwa 'Packesel-Trupp' bedeutet (wie ich angenommen hatte), sondern dass man den unglaublich schweren Rucksack selber durch die Gegend tragen muss - und zudem auch noch 
bergauf!!! 

Unter diesen Umstaenden beschliesse ich, das Funk-Modem und die Ersatz-Akkus lieber im Auto zu lassen. Mit saeuerlicher Miene packe ich also nur meinen Laptop und die 15 gefrorenen Pizzen (die sich schon recht schwammig anfuehlen) in meinen Rucksack, und folge Ron auf dem kaum erkennbaren schmalen Weg in einen engen Canyon hinein, den ich in einem anstaendigen Video-Game niemals betreten wuerde: er schaut aus.wie geschaffen fuer einen Hinterhalt! 

Wie um meine schlimmsten Befuerchtungen zu bestaetigen trete ich nach kaum 200 Metern auf einen weichen Ast, der sich ploetzlich kringelt und ein Schnarren von sich gibt, das wie von einem zu langsam eingestellten Akustik-Modem klingt. Ron reisst mich so heftig am Arm zurueck, dass ich beinahe in die Schlucht stuerze, und als ich mich beschwere, faehrt er mich auch noch unfreundlich an, ob ich denn noch nie eine 'rattle snake' gesehen haette und ob ich immer wie ein Blinder durch die Gegend laufen wuerde. Also stecke ich gehorsam meine supercoole Sonnenbrille (97% Filter) in die Tasche und kneife die Augen zusammen. Normalerweise sind meine Augen nur auf die Leuchtkraft meines Farbdisplays adaptiert. 

Am abend, als wir endlich an unserem 'camp' ankommen - fuer mich schaut der staubige Platz genauso aus wie alle anderen staubigen Plaetze, die wir in den letzten 5 Stunden passiert haben - habe ich zwei Bienen- und unzaehlige Moskitostiche, einen Sonnenbrand auf der Nase, Blasen an allen zwei Fuessen und meine Schultern spuere ich schon lange nicht mehr. Meine Stimmung sinkt auf den Nullpunkt, als ich entdecke, dass ich die Zugangs-Code-Tabelle fuer City2000 im Auto habe liegenlassen. Ausserdem sind die 15 gefrorenen Pizzen in halbfluessigen Zustand uebergegangen und Ron weiss nicht, wo der naechste Mikrowellenherd zu finden ist. (Oder er will es mir nicht sagen; auf meine Frage hin schnaubt er nur veraechtlich!) 

Die Daemmerung bricht herein (jetzt weiss ich endlich, woher dieser Ausdruck kommt!), als ob jemand den Lichtschalter gedrueckt haette. Ron kocht im Schein meines Laptop-Displays Vollkorn-Nudeln und gibt zaehneknirschend zu, dass das 'Ding' doch zu etwas gut sein kann. 

Kaum sind wir in unseren Schlafsaecken und versuchen vergeblich eine halbwegs annehmbare Liegestellung auf den harten Isomatten zu finden, als aus der Richtung unseres Essplatzes verdaechtige Geraeusche erklingen. Schnaufen, Rascheln, Wetzen und - Brummen! Meister Petz will sich an unseren aufgehaengten Delikatessen guetlich tun. Wenn er wuesste, dass es sich dabei nur um trockene Vollkorn-Nudeln und aufgetaute Pizzen handelt, wuerde er es vielleicht bleiben lassen. Ich will Ron gerade vorschlagen, dem Baer die Vollkorn-Nudeln zu ueberlassen und morgen zu einen MacDonalds zu fahren, aber Ron hoert mir gar nicht zu. Er nestelt sich fieberhaft aus seinem Schlafsack und rennt zu unserer Feuerstelle. Gleich darauf hoere ich ihn wie wild mit der Taschenlampe auf unserem Kochtopf herumtrommeln. 
Da ich von Geburt gesellig bin, schaele ich mich auch aus dem Schlafsack und renne ebenfalls in Richtung Feuerplatz. Im Dunkeln pralle ich in ein sehr grosses, pelziges Etwas. Der Baer! denke ich entsetzt, und bereite mich darauf vor, meine Haut moeglichst teuer zu verkaufen. Aber das pelzige Wesen ruft "Ouch!", und es ist nur Ron in seiner Winterjacke, dem ich gerade zielsicher einen Faustschlag aufs rechte Auge versetzt habe. 

Waehrend wir noch streiten, wer an dem kleinen Unfall Schuld ist, hoeren wir wie der Baer wieder zurueckkommt. Ron geht wieder hin und vertreibt ihn mit dem Kochtopf, waehrend ich auf das Zelt aufpassen darf. Die naechsten zwei Stunden taucht der Baer alle 8-einhalb Minuten wieder auf, und Ron rennt jedes Mal hin und vertreibt ihn mit dem Kochtopf. An Schlaf ist gar nicht zu denken! Wehmuetig denke ich an all die selig durchschlummerten Vormittage im Buero... 

Als Ron zu sechzehnten Mal zur Baerenhatz aufbricht, gehe ich mit und nehme meinen Laptop mit. Der Baer - ein schwarzer Kerl mit heller Schnauze, gar nicht so gross wie ich ihn mir vorgestellt hatte - schnueffelt an der Stelle herum, wo Ron das Seil festgeknotet hat, mit dem wir unsere Nudeln und aufgetauten Pizzen auf den Baum gezogen haben. Ron vertreibt ihn mit dem Kochtopf, aber der Baer laeuft nur ein paar Meter und bleibt wieder stehen. Er weiss genau, dass wir irgendwann aufgeben werden. 

Ich stelle den Laptop genau unter den Knoten und starte 'MadMax' im 'demo play modus' mit voller Lautstaerke. Dann stellen wir uns hinter die Buesche und beobachten den Baeren. 
Der Baer kommt naeher heran, schnueffelt und guckt interessiert auf das farbige Display. In dem Moment wird in 'MadMax' ein ekliges rotes Monster mit einer Panzerfaust in kleine Schleimspritzer zerfetzt. Der Baer wimmert entsetzt und flieht ins Gebuesch. 
Ron und ich schlafen friedlich, bis die Sonne wieder eingeschaltet wird. 

Am naechsten Morgen sind die Batterien von meinem Laptop natuerlich leer, und ich sehe keinen vernuenftigen Grund, noch weiter in so einer unzivilisierten Gegend ohne Strom- und Telefonanschluss zu verbleiben. Grosszuegig ueberlasse ich Ron die restlichen aufgetauten 14 Pizzen und mache mich auf den Rueckweg. Eine aeltere Lady nimmt mich in ihrem verrosteten Kombi mit und ich gebe ihr zum Ausgleich ein paar Tips wo sie sich fuer ihren veralteten OS/2 einen kostenlosen Netzzugang erschleichen kann. Beim naechsten MacDonalds steige ich aus und bringe sofort eine der Computerkassen zum Absturz - nur um sie sofort wieder zu 'reparieren'. Zum Dank stopfen sie mich mit ihrem herrlichem junk food voll. Waehrend ich mich mit fetttriefenden Pommes und Cola vollstopfe,  lerne ich einen Typen kennen, der auf seinem T-Shirt eine grosse schwarze '14000' hat. Er erklaert mir, dass er seit 12 Jahren nur BicMacs gegessen und ueber 14000 BicMac-Schachteln gesammelt habe. 

Der Typ schaut wesentlich gesuender aus als Ron. 

 
 
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