BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                    von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 24
 
 WARNUNG
In der folgenden Geschichte kommen Begriffe und Namen vor, die nicht fuer jede Leserschaft geeignet sind. Insbesondere empfehlen wir allen Gourmets und Freunden guter Esskultur, die GROSS gedruckten Teile zu ueberspringen oder wenigstens rasch zu ueberlesen. Dem Konsum dieser Seiten vor dem Abendessen ist abzuraten! 

Ich nehme einen tiefen Schluck aus der eisgekuehlten Buechse und lehne mich wohlig zurueck. Seit drei Tagen streikt die B.A.R.T. ('Bay Area Rapid Transit'), und die Chefin hat aus diesem Grunde allen Mitarbeitern erlaubt, vorlaeufig von zu Hause aus zu arbeiten. 'Telecomuting' nennt man das hier. Ich wuerde es bezahlten Urlaub nennen. 

Es war kein besonderes Kunststueck, ein kleines Programm zu schreiben, das sich in unregelmaessigen Abstaenden am Institut einloggt und das System etwas durcheinanderbringt. Oberflaechlich gesehen schaut das so aus, als ob ich eifrig an der Arbeit waere. In Wirklichkeit sitze ich hier am Strand und betrachte mit halb geschlossenen Augen die neueste kalifornische Strandmode. Ein Liegestuhl, eine schicke Sonnenbrille und ein riesiger Cooler voller Sodas: was braucht ein gestresster Systemadministrator mehr, frage ich. 

Ich nehme noch einen tiefen Schluck. 

"Das ist aber extrem ungesund, was du da machst, weisst du!" 

Ich blinzele angestrengt nach schraeg rechts hinten. Da sitzen zwei Maedels und beobachten mich kritischen Blickes. Die eine hat duenne lange blonde Haare, die nach Hennafaerbung aussehen, eine spitze Nase mit Sommersprossen und ein indisch angehauchtes Outfit. Die andere ist dunkelhaarig und kaesebleich - wie schafft man es in Kalifornien so bleich zu bleiben? - und traegt einen Leopardenfell-Bikini. Beide sind erstaunlich duerr und irgendwo in den Dreissigern. Schaetze ich zumindest; genau kann das heute niemand mehr sagen. 

"Wie bitte?" frage ich hoeflich. 
"Das ist EXTREM ungesund", wiederholt die schwarzhaarige im Leopardenfell und deutet auf die Buechse Cola Light, "so'n kaltes Zeug in sich hineinzuschuetten..." 
"... weisst du", fuegt die andere hinzu. 

Ich schaue verdutzt auf die leere Buechse und suche nach einer coolen Antwort: 
"Oooops!" sage ich. "Wo kommt die denn her?" 
Aber das Ablenkungsmanoever wird ignoriert. 
"Es ist ganz, ganz schaedlich, kalte Fluessigkeiten zu trinken", doziert die indische Blonde. "Weisst du, in deinem Bauch ist ein grosses VERDAUUNGSFEUER und das wird durch das kalte Wasser GESCHWAeCHT..." 
"Aha", sage ich, "und was tut ihr gegen den Durst? Feuerschlucken?" 

Diese ignorante Bemerkung handelt mir nur zwei Blicke, Marke 'Was-gibt-es-doch-fuer-dumme-Menschen', ein. 
"Man trinkt natuerlich heisses Wasser", erklaert die Blonde wuerdevoll. 
"Bei vierzig Grad im Schatten?" frage ich, von der Radikalitaet dieser Vorstellung unwillkuerlich fasziniert. 
"Immer!" bekraeftigt die Leopardin, und wie um ihre Behauptung zu untermauern, holt sie eine grosse Thermosflasche aus ihrer Strandtasche und giesst sich und ihrer Gefaehrtin zwei Becher dampfender Fluessigkeit ein. Die beiden schuetten auf ex. 
"Weifft du, wenn daf groffe VERDAUUNGFFEUER gefwaecht wird, bleiben Verdauungsrueckftaende im gantfen Koerper", erklaert die Blonde weiter. Anscheinend hat sie sich die Zunge verbrannt. "Auferdem fmeckt ef beffer, wenn ef tfehn Minuten gekocht hat." 
"Dann werden die ganzen schaedlichen Rueckstaende nach draussen geschwemmt", bestaetigt die Leopardin. "Aber noch besser ist natuerlich LEVITATIONSWASSER..." 
"Natuerlich", sage ich und hole mir noch eine eiskalte Cola aus meinem Cooler. 
Die beiden Maedels betrachten mich ungefaehr so, wie normale Menschen einen Japaner beim Harakiri beobachten wuerden. 

"LEVITATIONSWASSER ist von allen Erdstrahlen gereinigt", faengt die Dunkle nach zwei Minuten wieder an. "Aber natuerlich ist es viel zu teuer - 12 Dollars die Gallone..." 
"Klar", sage ich. 
Die Blonde holt zwei unappetitlich verklebte Plastik-Container aus ihrer Tasche. Darin gluckert es schmierig-weisslich. Dazu wickelt sie gruenbraune Fladen, die mich stark an die Verdauungsendprodukte bestimmter domestizierter Wiederkaeuer erinnern, aus fleckig-braunem Packpapier. 
"Und was  ist das?" frage ich interessiert. 
"INDISCHER LASSI und KARTOFFELSALAT MIT YOGHURTSOSSE UND FRISCHEM KORIANDER. Mit REINEN BIOKARTOFFELN", erklaert die Leopardin stolz. "Dazu  GRUeNKORNPLAeTZCHEN mit BUeFFELGRASEXTRAKT. Und echte BIOAePFEL!" 
Die verschrumpelten, braunen BIOAePFEL schauen eher aus wie gewisse andere Aepfel - naja, auch in gewisser Weise Bioaepfel. 
"Und das Einwickelpapier ist aus recycle-ten Klopapierrollen", fuege ich hinzu. 
Die beiden gucken verbluefft; erst auf mich, dann auf das grobe Packpapier. 
"Woher weisst du das denn?" fragt die Dunkle. 
Ich hatte nur geraten. 
"Ausserdem seid ihr beide aus Berkeley, ihr geht einmal oder zweimal in der Woche zur Meditation und habt einen Greenpeace-Sticker hinten auf dem Auto. Fleisch kennt ihr nur aus der Werbung und Alkohol ist natuerlich Gift." 
Die beiden gucken noch mehr. Bevor sie sich noch erholen koennen, hole ich meinen Organizer heraus und lasse ihn ein paarmal piepsen. Dann 'scanne' ich die beiden mit den Organizer, so richtig professionell a la Dr. Crusher von der Enterprise, und schaue stirnrunzelnd aufs Display. 
"Na, dann schauen wir mal... Tststs", sage ich sorgenvoll und schuettele den Kopf. "Deutlich angehobene Hydrogen-Ionen-Konzentration in den unteren Extremitaeten und dazu noch ueberhoehte Temperatur in vorderen Cerebral-Hyper-Kortex-Lappen. Alles eine Folge des uebermaessigen Konsums von heissen Wassers, vermute ich.... Und, was haben wir denn da?" 
Der Organizer piepst wieder bedrohlich um den Bauchnabel der Leopardin herum. 
"Ganz offensichtlich Spuren von Schwermetallen, Cadmium, Blei, alles da, wunderbar eingebettet in unverdaute Huelsenfruechte... Popopopo... hier: Applekokken und Birnenkokken... Ich an eurer Stelle wuerde das ja nicht so lassen..." 
Die beiden schauen entsetzt auf ihre mageren Baeuchlein. 
"Oh Gott! Aber... aber, was kann man denn da machen..." 
Ich ueberlege einen Moment. 
"Als erstes wuerde ich mal was gegen die zu hohe Koerpertemperatur unternehmen: am besten jeder einen Liter eiskaltes Cola - da hinten beim Lifeguard ist eine Verkaufsbude. Dann irgendwas, damit die unverdauten Huelsenfruechte gleich wieder ausgetrieben werden. Wie waers mit ein, zwei richtig schweren Hamburgern, mit moeglichst viel Pommes und Catsup - das Fett ummantelt hoffentlich die Schwermetalle und verhindert ein Uebertreten in die Blutbahn... Danach wuerde ich, nur um ganz sicher zu gehen, ein kaltes Bad empfehlen - das unterbricht hoffentlich die Teilung der Applekokken restlos und senkt zusaetzlich die Temperatur." 

Vorhin habe ich gesehen, dass das Wasser heute nur 15 Grad hat. Wohl bekomm's! 

 
 
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