BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                    von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 25
 
Ich spiele mit meinem Kollegen Herbert 'Windoofs Versenken'.

Herbert ist Systemadministrator im Rechenzentrum einer groesseren deutschen Bank und passt auf die veralteten Minis auf, die staendig Millionen unterschlagener Steuergelder um den Globus schieben, damit das Finanzamt sie nicht so leicht aufspueren kann. Naturgemaess langweilt er sich in seinem Job zu Tode - genau wie ich.
Also spielen wir 'Windoofs Versenken', um die Zeit totzuschlagen...

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Aha! Dacht' ich's mir doch, dass jetzt alle wissen wollen, wie die Spielregeln sind! Also, bitte alle Windoofs-Nutzer jetzt mal kurz weghoeren...

'Windoofs Versenken' funktioniert ganz analog zum traditionellen 'Schiffe Versenken' (das, nebenbei bemerkt, von einem roemischen B.C.f.H. (Bastard Captain from Hell) waehrend des ersten punischen Kriegs erfunden wurde). Das Spielfeld ist das gesamte Internet, und - im Gegensatz zum 'Schiffe Versenken' - ist es egal, welche Windoofs-Rechner man abschiesst. Jeder Rechner, der 'haengt', gibt einen Punkt; jeder ge-bootete Rechner zaehlt zwei Punkte. Es gibt keine Begrenzung in der Zahl der Mitspieler. Im Gegenteil:  das Spiel wird desto besser, je mehr sich dran beteiligen. Der Spieler, der gerade am Zug ist, gibt ueber chat eine IP-Adresse an die anderen Spieler durch, den sogenannten 'target host'. Dann hat er drei Minuten Zeit den 'target host' abzuschiessen. Die anderen Mitspieler ueberzeugen sich durch 'ping', dass das Opfer wirklich weidgerecht erledigt wurde, und der Spieler bekommt seine Punkte auf einer extra dafuer eingerichteten 'score page' eingetragen. Dann kommt der naechste Spieler, und so weiter und so fort.
Die Kunst besteht weniger darin, die Windoofs-Rechner zu killen (korruptes ICMP genuegt normalerweise!), als vielmehr sie im Netz aufzuspueren. Nach sechs bis sieben Stunden Spielzeit sind die meisten ueblichen PC-Labors abgegrast (ich vergass zu sagen, dass man natuerlich jeden 'target host' nur einmal killen darf; auf der 'score page' wird eine entsprechende Liste gefuehrt), und es wird immer trickreicher, die Dinger hinter den 'fire walls' der Firmen aufzuspueren. Erlaubt sind auch sogenannte Salven. Das bedeutet, dass der Spieler mit einem einzigen Schuss eine ganze Gruppe von vernetzten Windoofs-Rechner versenkt. Das geht nur, wenn man ueber die Vernetzung genau Bescheid weiss: man killt einen Rechner; der killt beim Hochfahren den naechsten, und so fort. Fuer erfolgreiche Salven mit mehr als fuenf ge-booteten Windoofs-Rechnern erhaelt man zusaetzlich einen Bonuspunkt.

Die Leute denken immer, dass Windoofs-Rechner deshalb so haeufig abstuerzen, weil das Betriebssystem Sch.... ist . Jetzt wisst ihr den wahren Grund!

Im Moment fuehre ich mit 7567 Punkten vor Herbert, der mir mit 7523 knapp auf den Fersen ist. In den Microsoft Hotlines laufen jetzt sicher wieder mal die Telefone heiss. Die Dispatcher sollten mir dankbar sein! Ich sorge dafuer, dass sie ihren Job nicht verlieren!

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Ihr wollt noch mehr lustige Gesellschaftsspielchen kennenlernen?
Na gut. Manchmal spiele ich auch  'Avalanche'. Das ist eher was fuer einen Spieler, so aehnlich wie Solitaire:

'Avalanche' koennt ihr noch gar nicht kennen (nicht mal die echten Freaks unter euch!), weil ich es erst vor ein paar Tagen erfunden habe. Es ist ganz einfach: man sucht sich eine unmoderierte Mailingliste mit mindestens 1000 Mitgliedern und schickt irgendeine saubloede Mail an den Reflektor. Zum Beispiel:

"... und dann moechte ich noch sagen, dass ich die letzte Mail von dem und dem A........ ueberhaupt nicht kapiert habe. Da kommen lauter komische Ausdruecke drin vor und so.
Ach ja, und dann wollte ich noch sagen, dass ich im Keller noch eine halbwegs funktionstuechtige Waescheschleuder habe, und die wuerde ich gerne verkaufen, und wer Interesse daran hat, der soll mir doch bitte auf dieser Liste antworten. Ausserdem hat meine Grossmutter letzte Woche..."

... und so weiter. Also moeglichst bloedsinniges Zeug, das jedem halbwegs normalem Leser die Nackenhaare zu Berge stehen laesst, und er sich zum hunderttausendsten Male fragt, warum er sich diesen Schwachsinn eigentlich antut.
Diese Mail ist sozusagen der Schneeball, der die 'Avalanche' anstoesst. Was jetzt passiert, ist folgendes (und wieder mal ein wunderbares Beispiel fuer die Psychologie der grossen Masse!):
Von den 1000 Empfaengern schmeissen 970 die Mail achselzuckend in den Muelleimer.
Die restlichen dreissig gehoeren zu der Gattung Mensch, die nie etwas kommentarlos hinnehmen koennen. Zum Glueck ist diese besondere Sorte Mensch im Internet noch haeufiger vertreten als sonst. Diese dreissig schicken also alle ein geharnischtes 'flaming' zurueck an den Absender der bloedsinnigen Mail, also an mich. Rein statistisch gesehen sind unter dreissig Sendern garantiert mindestens drei dabei, die nicht darauf achten, dass ich als Reply-Adresse nicht meine eigene Email, sondern die der Mailing-Liste eingetragen hatte. Also gehen die huebschen 'flamings' wieder an alle 1000 Empfaenger der Liste. Die wiederum sind sowieso schon leicht genervt ueber all die unnoetigen Mails, also finden sich logischerweise diesmal ueber 100, die einen abfaelligen Kommentar zurueckschicken - meistens von der Art: 'Stoppt diesem Bloedsinn!!!' oder 'Ich will runter von dieser Sch.... Liste!!!'.
Und natuerlich sind wieder 10% statistische Idioten dabei, die das ganze wieder an die ganze Liste schicken, und so weiter und so fort!
In Null-Komma-Nix hat man ein paar tausend Emails voller Beleidigungen und Morddrohungen, die kreuz und quer ueber durch das Netz huschen: die 'Avalanche' ist in voller Fahrt und nicht kann sie aufhalten!
Gewoehnlich flaut die Aktivitaet dann nach ein paar Tagen wieder ab, weil die Leute von den vielen Mails zu erschoepft sind, um nochmal den Reply-Knopf zu druecken - die 'Avalanche' laeuft langsam aus.

(Wer es bis jetzt noch nicht kapiert hat: 'Avalanche' bedeutet schlicht und einfach 'Lawine'.)

Das Schoene an diesem Spielchen ist, dass - wie bei einer echten Lawine - nichts, aber auch gar nichts dagegen unternommen werden kann. Die einzige Methode waere ja die, dass auf den ersten 'Schneeball' einfach niemand antwortet. Das widerspricht aber so grundsaetzlich dem menschlichen Naturell (statistisch gesehen!), dass es praktisch niemals vorkommt! Haehaehae...

 
 
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