BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 3
 
Das Institut, mein neuer Arbeitsplatz also, wurde anlaesslich der Uebernahme durch Prof. Icewater umbenannt in 'Applied Research in Semi-Conducting Hyperwavelets'. 
Also aendere ich den Namen fuer unsere Sub-Domain um in: 

ARSCH.berkeley.edu 

Der alte Namen war sowieso viel zu langweilig! Natuerlich gehen jetzt alle Reply-Mails an die Mitarbeiter erstmal ins Nirwana. Aber wer moechte ernsthaft behaupten, dass email eine 100%ige Kommunikationsform darstellt? Na, bitte! 

Waehrend die Mitarbeiter beim Lunch sind, inspiziere ich mit einem Zweitschluessel aus Gingers Schreibtisch die Labs, ob auch ueberall ordnungsgemaess die Mikrophone angeschlossen sind. Man moechte doch moeglichst on-line mitbekommen, was die Mitarbeiter fuer Sorgen haben! 

Bei einer der alten Sparcs ist der Bildschirm nicht gesperrt und ein gelber Zettel klebt an der Tastatur: 
'Please do not log out! I forgot my password!' Ich notiere mir den Usernamen, georgia, fuer spaeter und haenge einen zweiten, roten  Zettel darunter: 

'Hey, security dump ass! Use the command passwd to set a new password immediately - or you can try to find an account in Nevada!!! 
Signed: System Ops' 

Dann - damit die Kollegen auch mal was zu lachen haben - gebe ich Georgias 'passwd'-Befehl einen neuen Alias: 

'rm -r $HOME' 

(LEGAL DISCLAIMER: DON'T TRY THIS ONE AT HOME! KEEP IN MIND: I'M AN EXPERT - YOU'RE PROBABLY NOT!) 

Auf meinem weiteren Rundgang schaue ich mir alle Bueros - vor allem die mit Blick aufs Golden Gate - genau an. Meine Wahl faellt auf ein besonders geraeumiges Eckzimmer, ziemlich genau gegenueber von 
Prof. Icewaters heiliger Residenz an anderen Ende des Gebaeudes. Der gegenwaertige Besitzer ist unser Financial Director, Harold McGain; zumindest steht das an der Tuere. Noch! 

Zurueck in meinem cubicle recherchiere ich kurz den guten McGain im Computersystem der Univerwaltung. Seinen Daten nach zu urteilen, scheint er zu der ganz braven Sorte zu gehoeren. Zu aergerlich aber auch! Ich moechte schon aufgeben, da finde ich in seinen 'medical records' 
eine kilometerlange Liste von Allergien, an denen der gute Direktor leidet! Unter anderen vertraegt er kein Katzenhaar! 

Am naechsten Tag lockt mich tumultartiges Treiben auf den Gang. Eine Traube von Mitarbeitern und Studenten guckt durch die offene Tuere in McGains Buero, aus dem periodische Geraeusche wie aus DooM, Level 56, zu hoeren sind: 
"Hhrrchh! Hhhhrrrrccchhh!" 
Ich draenge mich durch die Schaulustigen. Director McGain ist krebsrot bis dunkelviolett im Gesicht, reisst die vorquellenden Augen auf und absorbiert offensichtlich nur noch eingeschraenkt Sauerstoff. Ginger und Prof. Icewater stehen kopflos am Telefon und beratschlagen hektisch, ob und welchen Notdienst sie alarmieren sollen. (Nebenbei bemerkt, in USA eine schwierige Frage: die einen nehmen nur Cash, die anderen wenigstens Mastercard und die ganz vornehmen - aber auch die teuersten - nehmen alle ueblichen Zahlungsmittel, sogar Checks!) 

Ich betrete souveraen den Ort des dramatischen Geschehens, fuehle kurz   den rasenden Puls und inspiziere die unteren Augenlider des keuchenden Direktors. Dann frage ich ihn: 
"Sind Sie etwa Allergiker?" 
"Hhhhrchhh! Hrchaa!" 
McGain nickt muehsam. 
"Alles klar", sage ich zu Prof. Icewater. "Sehen Sie die violetten Flecken in seinem Gesicht? Und die typischen lila Ohren? Ein akuter Anfall von Sonnenlicht-Allergie!" 
"Hhhhrrchrchhh??!" 
"Wir muessen ihn schleunigst aus diesem Raum fortschaffen! Ich schlage vor, wir tragen ihn vorlaeufig in mein Buero. Das hat kein Sonnenlicht." 

Zwei kraeftige Studenten packen mit an, und wir bugsieren den schlaffen McGain in mein cubicle. Den ganzen Weg lang erlaeutere ich der besorgten Prof. Icewater die Symptome dieser lebensgefaehrlichen 
Allergie: 
"... hat gerade in Sued-Kalifornien in letzter Zeit massenhaft zugenommen. Kann sogar zum Tode durch Ersticken fuehren, wenn man die Patienten nicht sofort vom Tageslicht isoliert..." 
"Hhhhrchhhhrrrchhh!!!" 
"... gerade noch rechtzeitig.... nur gut, dass ich da schon Erfahrung hatte... kann unmoeglich in diesem hellen Buero bleiben..." 

In meinem dunklen cubicle geht es den Director sofort sichtlich besser. Er bekommt zwar immer noch keinen Ton heraus, aber die lila Farbe wandelt sich in ein gesuenderes Pink. Prof. Icewater ist schwer beeindruckt. Sie fragt, wie ich die Sonnenlicht-Allergie so schnell erkannt haette, ob ich etwa auch...? 
Ich beeile mich, sie des Gegenteils zu versichern: 
"... nein, nein, keine Sorge... hab' nur mal erlebt, wie so ein armes Schwein auf einer Aussichtsplattform in Kabul an Sonnenlicht-Allergie eingegangen ist; einfach erstickt, Sie verstehen? Ganz lila ist er angelaufen und hat Blut aus allen Poren geschwitzt; die Zunge hing ganz blau geschwollen aus dem Mund, und dann ist er ratzfatz verendet. Und das Ganze nur, weil auf der bloeden Plattform kein Schatten war, und sie den armen Kerl nicht schnell genug zurueck in den Lift schaffen konnten, weil eben zu dem Zeitpunkt schon wieder mal der Strom ausgefallen war. Sie wissen ja, wie oft in diesen Laendern der Strom ausfaellt, nicht wahr?" 
"Hhhhhhrrrrrcccchhhhh!!!" 
Prof Icewater zuckt zusammen; dann schaut sie sich unauffaellig in meinem dunklen cubicle um. Ich hatte vorher extra alle Lampen bis auf eine kleine, 15-Watt-Schreibtischlampe ausgeschaltet. Fuenf, vier, drei, 
zwo, eins,... 
"Wie waere es eigentlich, wenn Sie mit McGain tauschen wuerden?" fragt sie mich besorgt. 
"Hhrrcchh?!!" 
Ich tue so, als ob ich diesen ueberraschenden Vorschlag erst ueberdenken muesste. Dann nicke ich nachdenklich. 
"Jaaaaa, das ginge vielleicht. Man koennte dann den neuen Netzknoten Theta gleich in McGains Buero installieren, und ich haette bei der Installation leichter die Kontrolle darueber. Ja, doch. Ich denke das 
ginge schon..." 

Keine sechs Stunden spaeter - McGain ist noch nicht mal von seinem Hausarzt zurueck - sind die beiden Bueros schon umgezogen. Als erstes schraube ich den Zuluftschacht der Klimaanlage auf und hole den alten 
Lumpen heraus, den ich gestern stundenlang am Fell der Katze meiner Nachbarn gerieben habe. 

Schliesslich will ich nicht riskieren, auch noch Sonnenlicht-Allergie zu  bekommen.... 

 
 
 
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