BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                      von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 33
 
Heute haben sich die Fensterputzer der Firma 'Blitzblank' angemeldet (das Superhirn, das sich diesen phantasievollen Namen ausgedacht hat, moechte ich gerne mal kennenlernen!).
An sich schaetze ich eine gewisse Patina auf meinen Fenstern, weil dann nicht so viel blendendes Licht in mein Buero faellt (besonders am fruehen Morgen). Andererseits ist so eine Putzaktion immer eine gute Gelegenheit, fuer den Rest des Tages in der Cafeteria zu verschwinden - wenn man es richtig anstellt!
In der Ankuendigung der Haustechnik steht in hochtrabendem Amtsdeutsch:
"Um eine zuegige Durchfuehrung der Arbeiten nicht zu behindern, werden die Angestellten angewiesen, ihre Arbeitsflaechen und Fenstervorbauten von allen Gegenstaenden freizumachen..."
('Machen Sie sich bitte frei' - wie bei der Einstellungsuntersuchung!)

Ich packe noch ein halbes Dutzend muede heulender Winchesterlaufwerke auf die ohnehin schon ueberlastete Fensterbank und schiebe den Labortisch mit meinem 'STACK' (STapel Ausgearbeiteter Chaotischer Katastrophen; ca. 89 cm hoch) naeher ans Fenster. Dann tupfe ich in den Fensterecken ein wenig Silicat-Loesung auf die Scheibe. Das Silicat verbindet sich mit den Glas und verursacht truebe Stellen, die sich nicht mal mehr mit dem Glasschaber entfernen lassen.

Nach diesen Vorbereitungen verschwinde ich mit Marianne im Cafe 'Zum faulen Studenten' hinter dem Uni-Hauptgebaeude (DAS ist mal ein guter Name!) und lasse mir den neuesten Uni-Tratsch berichten.
Ich muss ja schliesslich wieder auf dem Laufenden sei, wer gerade mit wem oder warum nicht mehr, was an drohenden Einstellungen bzw. Entlassungen ansteht, wer gerade die R.K.f.H. ('Reisekostenstelle from Heaven') leitet, wer einen Elch-Mercedes faehrt und wer nicht, etc. pp.
Man kann ja so leicht ins Fettnaepfchen platschen! So wie der Kollege O., ein eingefleischter Junggeselle, der neulich mit Prof. K. von der physikalischen Optik im Aufzug stecken geblieben ist, weil ich gerade einige hochinteressante Hochspannungsversuche im Labor 3 durchgefuehrt hatte (diese neumodischen Schaltsicherungen vertragen ueberhaupt nichts mehr. 
Frueher  konnte man die Schmelzsicherungen bei Bedarf noch durch Zimmermannsnaegel ersetzen. Heute fliegt schon der Fehlstromschutzschalter 'raus, wenn ich nur am Sicherungskasten vorbeischlendere...). Jedenfalls steckt O. mit Prof. K. im Aufzug fest, und sie kommen irgendwie aufs Thema Ehe zu sprechen. O., der K. bisher nur als standhaften Hagestolz kannte, bringt wie ueblich seine abfaellige Meinung ueber diese Institution in markigen Worten untermalt mit einschlaegigen 'Herrenwitzen' zum Ausdruck. Erst nach der spektakulaeren Befreiung ueber die Inspektionsklappe (aber das ist eine andere Geschichte!) teilt K. dem O. beilaeufig mit, dass er vorgestern geheiratet habe.

Keine drei Stunden spaeter schlendere ich zurueck in mein Buero, um nach den Fensterputzern zu gucken. Ein Maedel im Blaumann balanciert zwischen den heulenden Winchestern auf dem Fensterbrett herum und verschmiert waghalsig aus dem Fenster haengend mehr oder weniger erfolgreich den angesammelten Dreck auf der Aussenseite meiner Fenster.
"Gleich fertig!" versichert sie strahlend, trotz erschwerter Arbeitsbedingungen. Dabei ist es noch nicht mal zwei Uhr! In den benachbarten Bueros schaut es aehnlich aus.

Ich gehe ins Sekretariat zu Frau Bezelmann und rufe unten beim Pfoertner an. Es sei ein Skandal, sage ich empoert. Hundertmal schon haetten wir die Pforte gebeten, die Jalousien auf der Ostseite sofort herunterzulassen, wenn die Sonne direkt in die Bueros scheine. Man koenne ja gar nichts mehr auf dem Display erkennen, wie solle man da vernuenftig arbeiten, und so weiter und so fort.
Frau Bezelmann oeffnet protestierend den Mund - und klappt ihn wieder zu.
Dann schaut sie gespannt hinueber in das Buero des Chefs, wo ebenfalls gerade ein Blaumann im Fenster haengt. Ihre herabgezogenen Mundwinkel vertiefen sich unmerklich. Der Rabe Nero kraechzt leise.
Die hirnlose Pforte aktiviert brav in allen Bueros gleichzeitig die Jalousien. Spitze Schreie ertoenen von allen Enden des Instituts; eine Leiter kracht irgendwo mitten in einen Praktikumsversuch; mehrere Eimer voll mit dreckigem Putzwasser sausen in den Biergarten hinunter und zerplatzen wie Wasserbomben mit einem schmatzenden Geraeusch auf dem
Betonboden.
Mit einem alten ThickWire-Kabel retten Marianne und ich vom dritten Stock aus einen Putzer, der sich geistesgegenwaertig an den Blitzableiter gefluechtet hat. Frau Bezelmann spricht ihrem Putzer, der am Fensterbrett des Chefs haengt, von ihrem Fenster aus Mut zu, bis die Hausmeister die Leiter bringen.

Insgesamt mal ein erfreulich abwechslungsreicher Nachmittag...

 
 
 
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