BASTARD  ASS ( I FROM  HELL OVERSEA
                                                                                                                                                                                             von  Florian Schiel
 
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B.A.f.H.O. 4
 
Ich hole mir einen Becher voll der ekligen Fluessigkeit, die hier gemeinhin als Kaffee bezeichnet wird, und mache es mir mit der Mittagsausgabe des San Francisco Chronicle in meinem neuen Buero gemuetlich. Schliesslich ist es noch viel zu frueh, um an ernsthafte Arbeit auch nur zu denken. Und bis zum Lunch lohnt es sich eh nicht mehr, irgendetwas groesseres zu beginnen. 

Waehrend ich mich systematisch von hinten (Funny Pages) ueber den Mittelteil (Datebook, local Sports) zur Titelseite (Catastrophies) durcharbeite, fuehre ich auf einem Schmierzettel die heutige Verluststrichliste. Alles in allem eine eher ruhige Nacht: insgesamt 8 Tote und 24 Verletzte bei 6 verschiedenen Shootings in San Fran, 4 und 9 in Oakland und ein 'aus Versehen' erschossener Schuljunge in Berkeley. Dann war da noch ein Geistesgestoerter, der mitten auf dem Freeway seine Magnum leergeballert hat (hat aber keinen getroffen!), eine Lady, die beim Joggen in den Berkeley Hills von einem tollwuetigen Mountain Lion angefallen wurde, und ein ungluecklicher Teilnehmer eines Firmen-Picknics im Tilden Park, der im Suff in einen Bach gestolpert und ersoffen ist. 

Gleichzeitig findet auf der Leserbriefseite eine hitzige Debatte statt, ob man den City-Cops von Berkeley die Verwendung von Pfeffergas-Sprays verbieten solle. Ausserdem plaediert der Vertreter der ARA (American Rifle Association) fuer eine Ruecknahme der Sonderbesteuerung fuer automatische Schnellfeuer-Waffen. 

Eine wirklich reizende Gegend! So lebhaft! Vor allem Nachts! 

Wo sonst ueberall um sechs Uhr die Gesteige hochgeklappt werden, ist hier wenigstens noch was los auf den Strassen! 

Ich blaettere weiter zu den Kleinanzeigen. Da bitte! Ein Gun-Club in Oakland bietet zur Zeit Sonderkonditionen fuer neue Mitglieder. Einfuehrung in alle Handfeuerwaffen, auf Wunsch auch Unterweisung in automatischen Schnellfeuerwaffen. Spezielle Sondertarife fuer Hochschulangehoerige. 
Vielleicht sollte ich auch ...? Wenn irgendeiner von den lausigen Usern, die ich gestern geloescht habe, durchdrehen sollte...? Schliesslich waren da so merkwuerdige Loecher in der Wand hinter meinen 
Schreibtisch... Und was ist eigentlich mit meinem Vorgaenger passiert...? 

Naaay! Mein Waffe ist immer noch das Wort und der Computer! 

Seufzend lege ich die Zeitung beiseite und beginne mit der harten Fron des Tages, indem ich in Gingers Buero vorbeischaue und mir ausfuehrlich den neuesten Hochschulklatsch berichten lasse. 

Nach dem Lunch, am spaeten Nachmittag, gehe ich ins Treppenhaus und bohre eine Stecknadel durch das rote Koaxialkabel der Feuermeldeanlage. Brav beginnen die Sirenen zu heulen und die Mitarbeiter marschieren gaehnend aus ihren Bueros, um sich in den nicht angekuendigten 'fire drill' einzureihen. 

In einem Land, wo alle Gebaeude praktisch aus Pappe und Sperrholz bestehen, wagt es keiner, einen Feueralarm zu ignorieren. Nicht einmal die Systemverwalter. Waehrend alle Angestellten sich unten auf der 
Strasse versammeln und auf die Feuerwehr warten, klappere ich in aller Ruhe die Buero der System-Manager in den anderen Instituten ab. Fast ueberall sind ein paar Root-Windows offen geblieben, und ich pflanze ein paar huebsche trojanische Pferde in die Systeme ein. 

Dann, bevor noch die Feuerwehrmaenner mit der Suche nach dem vermeintlichen Brandherd beginnen, verschwinde ich durch den Lieferanteneingang. 

Morgen ist auch noch ein Tag. Ich kann schliesslich nicht staendig Ueberstunden schieben; irgendwann faellt das auf! 

 
 
 
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