BASTARD  OPERATOR  FROM  HELL

von Simon Gavaglia   -   frei übersetzt von Florian Schiel

zurück

T e i l       5

weiter

 

B.O.f.H. 5

Es ist Donnerstag und ich bin guter Laune. Es ist Zahltag. Ich denke, ein paar Anrufe können nicht schaden. Also lege ich den Hörer zurück auf die Gabel. Es läutet. 
"Seit Stunden versuche ich Sie zu erreichen!" 
schreit eine Stimme am anderen Ende. 
"Nanana, STUNDEN können's gar nicht gewesen sein!" 
sage ich, während ich 'Blade Runner' ins Cover zurückstecke und mir die Rückseite anschaue. 
"Allenfalls 114 Minuten. Ich hatte einen langen Chat mit dem großen Boss. Versuchte bessere Technik für unsere Benutzer herauszuschlagen." 
Eins, zwei, drei... 
"Oh, tut mir leid."
"Macht nix. Ich bin nicht nachtragend." 
Ich nehme mir vor, sein Passwort in den nächsten Tagen etwas abzuändern, in etwas, worauf er nicht so schnell kommen dürfte. 
"Ähm, ich weiß nicht, wie ich ein File umbennen kann!" 
sagt er.
Oh, Gott... Moment es ist ja Zahltag, nicht? Also bin ich guter Laune. 
"Aber klar. Tippen Sie nur 'rm' und den Filenamen."
"Vielen Dank."
"Keine Ursache." 
(Jetzt bin WIRKLICH guter Laune. Vielleicht sollte ich heute das Skript fertigschreiben, das Abspeichern zu bestimmten, zufällig gewählten Zeiten unmöglich macht.) Das Telephon läutet wieder. 
"Hallo?"
"Hallo, ebenfalls..." 
sage ich. 
"Ist das der Kontrollraum?
"Aber klar doch!" 
sage ich zuckersüß. 
"Könnten Sie mir bitte meine Ausdrucke herausbringen? Ich brauche sie dringend und der Ausdruck müßte schon seit fünf Minuten zu Ende sein."
"Ihr Username?" 
frage ich. 
Er gibt ihn mir und ich notiere ihn für später. 
"Kein Problem. Moment." 
sage ich und gehe 'rüber zu den Druckern. Ein RIESEN Haufen von Ausdrucken liegt auf dem Boden. Und tatsächlich, sein Dokument liegt ganz oben auf. Ich breite es über dem Haufen aus und sprühe großzügig unser Spezialfleckenwasser in die Gegend. Dann fahre ich den schweren Bandwagen ein paar Mal darüber und klemme es zum krönenden Abschluß vier, fünf Mal in die schwere Safetüre ein, wo wir die Backup-Bänder aufbewahren sollten. Hübsch. 
"Hier sind Ihre Ausdrucke," 
sage ich 
"Tut mir leid, daß es solange gedauert hat. Wir haben ein paar kleinere Probleme mit dem Drucker."
Ein Blick und er macht sich fast in die Hose. 
"Oh, Gott! Kann ich es nochmal drucken?" 
fragt er besorgt. 
"Aber klar doch!" 
sage ich. 
"Aber wie gesagt, unser Printer ist nicht besonders gut drauf heute."
"Äh, kann ich es auf dem Laser drucken - funktioniert der?"
"Natürlich, aber das kostet eine Kleinigkeit" 
sage ich. Mitgefühl verströmend. 
"Egal, was es kostet! Das ist hyper-dringend!" 
Ich schleiche zurück in den Druckerraum und suche die Tonerkassette, die wir für spezielle Fälle aufbewaren - die mit den dicken schwarzen Streifen in der Mitte und den blassen Rändern. Ich habe auch ziemlich lange gebraucht, bis sie so gut funktionierte. Der Ausdruck kommt raus und ich bringe ihn sofort nach vorne. Bloß nichts verpassen. 
"W-w-w-was ist den jetzt passiert?" 
winselt mich der Geck an. 
Gut, daß ich den Usernamen notiert habe - Geistige Folter ist vielleicht doch etwas, wofür ich mich längerfristig begeistern könnte. 
"Äh, nichts. Ich meine, klar: es ist nicht perfekt. Aber der Toner hat auch schon 47 Tausend Seiten drauf und wurde 17mal nachgefüllt. Ich finde, es ist noch gut gegen das, was wir sonst so bekommen." 
Der Geck zahlt und beginnt zu wimmern. 
"Na, kommen Sie. Kein Grund zum Heulen. Haben Sie die Arbeit auf Disketten?" 
Er gibt mir eine kleine Plastikbox mit Disketten. Ich hüpfe schnell rein und lege sie kurz auf den Lösch-Magneten. Ich gehe wieder hinaus. 
"Tut mir so leid, aber mir fällt gerade ein, daß unser Lesegerät hinüber ist. Sie müssen damit zu dem Druckerraum U am anderen Ende des Campus - kennen Sie den? - und es dort ausdrucken. Dort sollte es klappen. Die haben gestern einen neuen Toner bekommen."
"SUPER!"
"Gern geschehen. Und denken Sie daran: immer die Disketten hoch über den Kopf halten. Das Erdmagnetfeld ist heute wieder extrem stark."
"Häh???"
"Keinen langen Reden. Machen Sie's." 
Er marschiert los, die Disketten hoch über dem Kopf... 
Manchmal hasse ich mich selbst!

zurück weiter