BASTARD  OPERATOR  FROM  HELL

von Simon Gavaglia   -   frei übersetzt von Florian Schiel

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B.O.f.H. 6

Die dauernde Langeweile bringt mich um. Also lese ich User-Email, um die Zeit totzuschlagen. Allerdings muß ich zugeben, daß die heutige Lieferung auch nur zum Gähnen anregt. Nicht eine wirklich gute Nachricht darunter. Nicht mal versteckte Andeutungen über Fummeln im Supermarkt, wie sonst. Gar nichts. Statt dessen muß ich mir den üblichen Sch... zu Gemüte führen: 
Welcher Verwandte wann welche Art von Operation über sich ergehen lassen muß und welche es nicht überlebt haben, wie das Wetter auf der anderen Seite des Erdballs ist, die Sorte von Redundanzmails, die nur unsere Queues vollknallen! Um die Sache etwas aufzulockern, hole ich eine persöhnliche Party-Einladung aus einer Mailbox, poste sie unter dem Namen des Senders in alt.singles.with.severe.social.dysfunctions im USENET und mache eine Notiz in meinem Kalender, damit ich rechtzeitig dort bin - mit meiner Videokamera. Könnte was werden! 
Was steht als nächstes an? Ah ja, die medizinische Datenbank, in der die Vertrauensärzte der Uni die Krankheitsgeschichten der Angestellten speichern. Ich grepe schnell mal durch nach 'Herpes' und 'Syphilis' und verkaufe die Ergebnisse an die lokale Boulevardpresse. 
Um meine Spuren zu verwischen, gehe ich in den Account des Oberarztes und füge dort folgenden Eintrag in sein Online-Tagebuch ein: DM 500, Med. Daten an Zeitung. 
Sollte ausreichen! 
Ich schichte ein paar Bänder aus den Regalen auf den Laborwagen und zurück, damit es so aussieht, als ob wir sie tatsächlich verwenden. Dann gehe ich in Archie und suche nach einem bestimmten verborgenen X-GIF Server, von dem ich gehört habe. Als ich ihn finde starte ich einen Batch unter einem User-Account, um die Bildchen 'runter zu laden - natürlich auf seine Kosten. Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, ob auch genug Speicherplatz für die Bilder frei ist. 
Um ganz sicher zu gehen, entferne ich alle Dateien auf der Platte, die nicht direkt mit dem Batch zu tun haben. Zum Beispiel die ganzen LaTeX Dokumente "diss*.*"; die sind in letzter Zeit sowieso schon wieder viel zu groß geworden. 
Zurück in User email schaue ich, ob sich inzwischen was getan hat. Naaah. Schließlich grepe ich alle files nach 'schwanger', 'Scheidung' und 'Therapie' und poste sie anonym in eine lokale Klatsch-Newsgroup. Dann, bevor ich auch nur piep sagen kann, ist der Strom weg! In der nächsten Sekunde läutet schon das Telefon. 
"Hallo?" 
sage ich, wütend - der Coyote hat den Roadrunner gerade fast am Wickel gehabt! 
"Was ist mit dem Comp..." 
Ich hänge auf. Jetzt geht's um Leben oder Tod. So schnell ich kann, reiße ich das Stromkabel des Mainframes aus der Notstromversorgung und schließe fieberhaft mein TV daran an. Verdammt! Der Roadrunner war wieder schneller! 
Inzwischen fangen überall die Warner an zu jaulen, weil die Hauptplattenspeicher 'runterfahren. Aber was soll's? Mein Mac und mein Terminal sind sowieso fest mit der Notstromversorgung verbunden, und ich bin im Beer Factory Level in Dark Castle. 
Das Telefon klingelt schon wieder. Also lasse ich die Kommunikationssicherung am Notstromschaltkreis herausschnappen, und endlich ist Ruhe. Um ganz sicher zu gehen, hole ich den Hockeyschläger aus dem Spind und übe ein bisschen Einer-gegen-die Wand. Durch das Glasfenster schaut das aus als ob ich wie ein Wahnsinniger nach dem Fehler suche - wie üblich. 10 Minuten später ist der Strom wieder da und die Diagnose meldet zwei Hard Disk Crashs auf dem Main Level, zum Teufel damit! Ich habe keinen Mann verloren, bin kurz vorn letzten Level und im TV kommen noch mehr Cartoons! 
Das andere Telefon läutet, ein User (welch Überraschung!). 
"Kontrollraum!" 
sage ich, so richtig im Stress. 
"Wann wird der Computer..." 
Ich lege auf. 
Im Moment komme ich ganz gut voran. Nur noch ein Wizard, der unablässig Bannflüche schleudert, steht zwischen mir und dem letzten Bild. Gleich bin ich drin! 
Das Telefon läutet schon wieder! Mit einem raschen Hieb schalte ich auf Freisprechen. 
"Kontrollraum!" 
brülle ich, voll involviert. 
"Ich hab' meine Files gelöscht. Meine Daten sind weg..." 
winselt ein User über den Lautsprecher. 
"Aber sicher doch!" 
sage ich, weil ich mich nicht erinnern kann. Diese Bemerkung genügt, um mich den Bruchteil einer Sekunde abzulenken. Der Wizard nagelt mich in den Boden und schmeißt mir noch einen Feuerball hinterher. GAME OVER. 
"Wie war Ihr Username?" 
sage ich mit Honig gesalbter Stimme. Er sagt es mir. Ich schaue nach - und er hat recht. Sch...., dabei war ich es nicht mal! 
Um meinen guten Ruf zu wahren, wechsele ich sein Login Directory nach /dev/null, setzte seinen Pfad auf '.' und setzte einen alias auf sein 'news' Kommando, welches ein scheußliches kleines Skript in seinem früheren Home Directory startet. Das Skript schickt eine nicht mehr ganz politisch korrekte email an die Beauftragte für Gleichberechtigungsfragen der Uni und löscht sich anschließend selbst. 
Wohl bekomm's!

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